Donald Trump - © Foto: Drew Angerer/Getty Images
International

US-Wahl: Bidens beste Karte ist Trump

1945 1960 1980 2000 2020

Derzeit funktioniert nicht einmal die lang geübte Spaltrhetorik von Donald Trump. Der US-Präsident scheint im Wahlkampf von Pech und Unvermögen verfolgt zu sein – das trübt die Chancen drastisch.

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Derzeit funktioniert nicht einmal die lang geübte Spaltrhetorik von Donald Trump. Der US-Präsident scheint im Wahlkampf von Pech und Unvermögen verfolgt zu sein – das trübt die Chancen drastisch.

Die Begleiter narzisstisch veranlagter Menschen haben es nicht leicht. Denn ein wichtiger Teil ihrer Aufgabe besteht in der Bestätigung des aufgeblasenen Größen-Selbst ihrer Führungsperson. Das allein ist also schon schwer. Aber das schwerste Los haben jene Mitarbeiter zu tragen, die neben dem Chef stehen müssen, wenn der Schwindel auffliegt. So geschehen ist es einigen Wahlkampfmitarbeitern von Donald Trump in Tulsa/Oklahoma, einem republikanischen Kernland schlechthin, einer Hochburg weißer Arbeiter und reicher Ölmagnaten. Denn eigentlich hatten der Präsident und sein Stab dort bis zu 800.000 Menschen zu seinem großen Wiedereinstieg in den Wahlkampf erwartet. Gekommen sind aber nur knapp 6200. Der Schock war dem Präsidenten laut New York Times ins Gesicht geschrieben, die Rede geriet langatmig, und am Hinterausgang des BOK Center sollen Mitarbeiter den Ärger des Präsidenten zu spüren bekommen haben.

Damit ist der Wahlkampf zwar noch nicht verloren, da vermutlich sehr viele Trump-Fans einfach aus Corona-Angst ferngeblieben sind, nicht weil sie den Präsidenten plötzlich verabscheuen würden. Aber richtig ist auch, dass die Aussichten für Trump von Woche zu Woche düsterer werden und die Tulsa-Episode symbolisch
eine Wende bedeuten könnte, einen Punkt, von dem aus es für den Amtsinhaber sehr schwierig ist, sich selbst zurück ins Rennen zu bringen. Sein Rückstand in den Umfragen gegen Joe Biden wächst von
Woche zu Woche und beträgt zusammengenommen nun stabile 9,5 Prozent. Da wirkt auch die bisher so erfolgreiche Spaltrhetorik Trumps nichts, seine Tiraden gegen die Linken, die Chinesen, die Deutschen und die Medien.

Werbeoffensive ohne Wirkung

Die Entwicklung bleibt negativ, und das trotz 35 Millionen teuren Werbespots, die das Trump-Team in den vergangenen Tagen gerade in den Swing States senden ließ, um die Wählerschmelze zu bremsen. Trump schwimmt also derzeit gegen einen immer stärker werdenden Dreistrom: Corona, Wirtschaftskrise, Führungsschwäche – und er kommt dagegen nur an, wenn zumindest eine dieser Krisen gelöst werden kann. Nur dann wird es ihm möglich sein, jene Umfragewerte zu bessern, die das Land derzeit eindeutig auf dem falschen Weg ­sehen (bis zu 75 Prozent der Amerikaner sehen das unabhängig vom Präsidentschaftswahlkampf so).

Die Begleiter narzisstisch veranlagter Menschen haben es nicht leicht. Denn ein wichtiger Teil ihrer Aufgabe besteht in der Bestätigung des aufgeblasenen Größen-Selbst ihrer Führungsperson. Das allein ist also schon schwer. Aber das schwerste Los haben jene Mitarbeiter zu tragen, die neben dem Chef stehen müssen, wenn der Schwindel auffliegt. So geschehen ist es einigen Wahlkampfmitarbeitern von Donald Trump in Tulsa/Oklahoma, einem republikanischen Kernland schlechthin, einer Hochburg weißer Arbeiter und reicher Ölmagnaten. Denn eigentlich hatten der Präsident und sein Stab dort bis zu 800.000 Menschen zu seinem großen Wiedereinstieg in den Wahlkampf erwartet. Gekommen sind aber nur knapp 6200. Der Schock war dem Präsidenten laut New York Times ins Gesicht geschrieben, die Rede geriet langatmig, und am Hinterausgang des BOK Center sollen Mitarbeiter den Ärger des Präsidenten zu spüren bekommen haben.

Damit ist der Wahlkampf zwar noch nicht verloren, da vermutlich sehr viele Trump-Fans einfach aus Corona-Angst ferngeblieben sind, nicht weil sie den Präsidenten plötzlich verabscheuen würden. Aber richtig ist auch, dass die Aussichten für Trump von Woche zu Woche düsterer werden und die Tulsa-Episode symbolisch
eine Wende bedeuten könnte, einen Punkt, von dem aus es für den Amtsinhaber sehr schwierig ist, sich selbst zurück ins Rennen zu bringen. Sein Rückstand in den Umfragen gegen Joe Biden wächst von
Woche zu Woche und beträgt zusammengenommen nun stabile 9,5 Prozent. Da wirkt auch die bisher so erfolgreiche Spaltrhetorik Trumps nichts, seine Tiraden gegen die Linken, die Chinesen, die Deutschen und die Medien.

Werbeoffensive ohne Wirkung

Die Entwicklung bleibt negativ, und das trotz 35 Millionen teuren Werbespots, die das Trump-Team in den vergangenen Tagen gerade in den Swing States senden ließ, um die Wählerschmelze zu bremsen. Trump schwimmt also derzeit gegen einen immer stärker werdenden Dreistrom: Corona, Wirtschaftskrise, Führungsschwäche – und er kommt dagegen nur an, wenn zumindest eine dieser Krisen gelöst werden kann. Nur dann wird es ihm möglich sein, jene Umfragewerte zu bessern, die das Land derzeit eindeutig auf dem falschen Weg ­sehen (bis zu 75 Prozent der Amerikaner sehen das unabhängig vom Präsidentschaftswahlkampf so).

„ Trump schwimmt derzeit gegen einen immer stärker werdenden Zweistrom: Corona und Wirtschaftskrise. Ein Comeback schafft er nur, wenn sich die Lage bessert. “

Eine Hoffnung Trumps dürfte sein, dass nach der Pandemie zwangsweise ein Aufschwung in der Wirtschaft zu erwarten ist. Nur hält sich Covid-19 äußerst hartnäckig in den USA, vermutlich aufgrund der politischen Sorglosigkeit des Präsidenten zu Beginn der Pandemie. Bisher gab es 1,2 Millionen Fälle, bei 120.000 Toten. Die schnelle Öffnung der Wirtschaft in einigen Bundesstaaten, die die Auswirkungen für die ­Ökonomie dämpfen soll, führt ausgerechnet zu einer Vertiefung des Problems. Denn jene 40 Millionen Menschen, die wegen der Pandemie ihre Arbeit verloren haben, können nur schleppend Anstellungen finden, zu groß ist die Unsicherheit bei den Betrieben.

In diesem Sinn ist auch die steigende ­Frustration weißer Arbeiter zu sehen, die bis dato Trumps Zielgruppe waren. Nun aber wechseln sie zum Demokraten Joe Biden, und zwar in Massen. Das Erstaunlichste daran ist, dass Biden selbst wenig dazu tut. Er kann bisher weder mit dem Finanzpotenzial Trumps konkurrieren, noch hätte er eine Idee von einer neuen Zukunft für Amerika, wie das Barack Obama auszeichnete. Aber, so überraschend das klingt, Bidens bestes Pferd ist Trump.

Er steht im Fokus, und das ist für Biden der absolute Gewinn. Ein Präsident, der unfähig ist, sein Wasserglas zu halten, ein Präsident, der über eine Rampe taumelt und vor einer schütter gefüllten Halle sprechen muss. Ein Präsident, der nach einem Arbeitstag müde und abgekämpft, mit hängendem Schlips und zerknülltem „Make America Great Again“-Käppchen ins Weiße Haus schleicht. Das sind die Bilder und Aktionen, die Biden braucht. Und Donald Trump liefert sie Tag für Tag.