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Wahlen im Schatten der Krise

Unwetter - © Foto: iStock/bauhaus1000 (Bildbearbeitung: Rainer Messerklinger
International

US-Wahlkampf: Wenn Corona die Regie übernimmt

1945 1960 1980 2000 2020

Trotz mäßiger Umfragewerte galt Donald Trump als der Favorit im Rennen um das Weiße Haus. Doch nun hat ihm Covid-19 alle seine Trümpfe aus der Hand geschlagen.

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Trotz mäßiger Umfragewerte galt Donald Trump als der Favorit im Rennen um das Weiße Haus. Doch nun hat ihm Covid-19 alle seine Trümpfe aus der Hand geschlagen.

Das Covid-19-Virus ist, das wird nun offensichtlich, nicht nur ein gesundheitliches Problem. Es ist auch ein weltpolitisches Problem und entfaltet dort seine schädlichste Wirkung, wo es von der Politik kleingeredet wird. Das bekommt US-Präsident Donald Trump gerade zu spüren, und zwar so intensiv, dass es ihn die Präsidentschaft kosten könnte.

Vor wenigen Tagen besuchte ein gut gelaunter Trump die staatliche Gesundheitsagentur in Atlanta und ließ sich dort mit den Worten vernehmen, er fürchte das Virus nicht, er glaube nicht an die Sterberate, welche die Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlicht hatte (bis zu 3,5 Prozent, also 35mal höher als bei einer normalen Grippe). Außerdem sei das Virus nur eine leichte Erkrankung, die Menschen könnten sie zu Hause kurieren, „indem sie herumsitzen, oder auch zur Arbeit gehen“. Gerade letzterer Tipp, zusammen mit der Diskreditierung der Gesundheitsexperten, sorgte für einen Aufschrei der Empörung. Die Vorwürfe quittierte Trump mit der Bemerkung, es gebe ein internationales und nationales Komplott zur Verhinderung seiner Wiederwahl. Seither wird auf sonst recht trocken berichtenden Sendern wie MSNBC offen eine „Paranoia“ des Präsidenten besprochen.

Tatsächlich war die Reaktion Trumps auf den Ausbruch der Krise ein Abziehbild seiner Taktik als Klimaleugner: Evidenzen anzweifeln, Sorgen lächerlich machen, Wirtshausverstand statt Hausverstand pflegen. Dementsprechende Antwort auf die Frage nach Vorsichtsmaßnahmen bei seinen Wahlveranstaltungen? I wo: „Also mich stört das Virus nicht und die Zehntausenden, die zu den Veranstaltungen kommen, auch nicht.“

Virus ohne Grenzen

Trumps Fehler: Corona ist nicht mittelbares Problem wie der Klimawandel. Es straft die Leugnungstaktik sofort. Die Krankheit hat laut US-Epidemiologen nun längst die Grenze überschritten, innerhalb derer sie als Problem durch herkömmliche Maßnahmen noch bewältigbar wäre. Etwa 20.000 Infizierte sollen es nach ihren Schätzungen sein. Konkrete Zahlen gibt es nicht, weil die Regierung viel zu wenige Tests bei Verdachtsfällen machen ließ. Etwas unter 2000 waren es nach Auskunft der US-Gesundheitsagentur CDC landesweit seit Dezember. Im Vergleich dazu
Österreich: bis zu 1000 Tests pro Tag.

Das epidemiologische Desaster hat für den wahlkämpfenden Präsidenten dramatische Folgen: Denn nicht nur versagt er in der allgemeinen Einschätzung als Krisenmanager. Der Wirtschaftseinbruch im Gefolge der globalen Virus-Lähmung (siehe auch Seite 5) wird auch in den USA die arbeitsplatzintensiven Industrien treffen und die Arbeitslosigkeit steigen lassen –beides Atouts des Präsidenten im Wahlkampf. Damit wären Trump mit einem Mal alle Trümpfe aus der Hand geschlagen, wenn nicht noch ein Wunder passiert und das Virus binnen weniger Wochen verschwindet.