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Wirtschaftsdaten im Abschwung

Es dauert im Regelfall stets mehrere Wochen, bis Konjunkturforscher sich von der Realität überzeugen lassen, ihre Prognosen zu relativieren. Das muss gar nicht als Kritik gesehen werden. Prognosen haben immer den Nachteil, aktuelle und vergangene Daten in die Zukunft zu projizieren. Damit lässt sich allerdings immer nur eine Fortschreibung der Aktualität in die Zukunft bewerkstelligen, niemals eine Prophezeiung treffen. Das bedeutet aber auch, dass die nun negative Prognose nicht eintreffen muss.

Das Konjunkturbarometer zollt hingegen einem sehr turbulenten Sommer Tribut, in dem die politischen Versäumnisse bei der Bekämpfung der Euro-Krise ebenso kräftig ins Kontor schlug, wie die gestiegenen Erdölpreise und die Turbulenzen um die Beinahe-Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten. Die folgenden heftigen Kursschwankungen auf den Aktienmärkten bilden die Unsicherheit deutlich ab und scheinen sich nun direkt in die Realwirtschaft fortzupflanzen. Die Erwartungen der Österreicher drehten schon während der Schockwellen der Griechenland-Krise ins Negative: Die positiven Erwartungen sanken, während die negativen Erwartungen stiegen.

Negative Erwartungen

Bezeichnend daran ist, dass die letzte Trendumkehr dieses Stimmungsbarometers aus dem Jahr der Krise 2007/2008 datiert, unmittelbar vor Ausbruch der Krise.

Diese negative Erwartungshaltung schlägt direkt in eine Stagnation des Konsums um. Ähnliches war im Jahr der Krise zu beobachten. Allerdings: Die Umsatzrückgänge hielten sich in Grenzen. Zu einem guten Teil war das Konsumverhalten der Bürger dafür verantwortlich, dass Österreich die Krise relativ glimpflich überstand.

Global gesehen rutschen die Konjunkturdaten der westlichen Industriestaaten relativ einheitlich Richtung Stagnation. Wobei die Schuldenkrise der Euro-Zone die negativen Prognosen in Europa noch einmal verschärfen. Die kommenden Prognosen, die Ende September anstehen, werden den Negativtrend vermutlich weiter verstärken. Unter dem globalen Abschwung werden auch die Schwellenländer China, Russland, Indien und Brasilien zu leiden haben. Für China schwanken die Berechnungen zwischen 8,5 und sieben Prozent Wachstum im Jahr 2013 gegenüber zehn Prozent im Krisenjahr 2010. Fazit: Nicht nur, dass die nationalen Budgets ausgereizt sind, auch die Wachstumsmärkte dürften nicht mehr so robust sein wie in der ersten Krisenphase. (tan)

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