Digital In Arbeit

Aphrodite und Eiernockerln

Mit dem politischen Statement ist es so eine Sache. Müsste man zum Beispiel dem Vegetariertum abschwören, weil Adolf Hitler Vegetarier war? Oder sich von seinem Deutschen (!) Schäferhund trennen, weil des Führers Lieblingshündin Blondi dieser Rasse angehörte? Das wäre doch ein bisschen viel verlangt an symbolischer Performanz und Distanzierungsanstrengung. Es mag genügen, aus diesen biografischen Fakten den Schluss zu ziehen, dass Tierfreunde nicht immer gute Menschen sind. Und doch gibt es in jüngster Zeit tatsächlich Leute, die sich, zumal zu Führers Geburtstag, den Verzehr von Eiernockerln versagen, weil diese dessen Leibspeise waren.

Daran erinnert mich die Sache mit der Aphrodite von Linz. Die war seit Jahr und Tag unbeachtet im Bauernbergpark gestanden, bis Kunststudenten "aufdeckten", dass die Kopie der Statue von 1907 ein Geschenk des Führers an "sein" Linz war. Flugs kam die bronzene Göttin ins Depot, nach zehnjähriger Verbannung hat man das Werk des deutschen Bildhauers Wilhelm Wandschneider jetzt im Museum Nordico aufgestellt. Ursprünglich hatte das Bundesdenkmalamt die Rückführung der Statue an den alten Standort verlangt. Dass der Rundtempel im Park nun verwaist ist, stört das Bundesdenkmalamt inzwischen aber nicht mehr, wie das Bundesdenkmalamt überhaupt selten etwas stört, wenn die Obrigkeit dahintersteht. Das Argument des Bürgermeisters für die Aphroditenbergung war die Verhinderung einer möglichen Pilgerstätte für Neonazis gewesen. So gehen "Aufdeckung" und "Aufklärung" nach hinten los: Weil sie Ewiggestrige auf den Plan rufen, wird der Makel aus dem Stadtbild retouchiert und im Museum entsorgt. Vielleicht steckt aber noch eine andere Sorge dahinter: Womöglich wäre Hitlers Geschmack ja auch unter Demokraten mehrheitsfähig -wie bei den Eiernockerln.

FURCHE-Navigator Vorschau