Hertha Karasek-Strzygowski: Jungbäuerin aus Münnichwies - © Foto: Paul Bauer; © Wien Museum

„Auf Linie“: Kunst im Zeichen der NS-Ideologie

1945 1960 1980 2000 2020

„Auf Linie“, die aktuelle Schau des Wien Museums im MUSA, zeigt, wie NS-Kunstpolitik in Wien funktionierte – und hinterfragt, wie man Werke von damals heute noch ausstellen kann.

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„Auf Linie“, die aktuelle Schau des Wien Museums im MUSA, zeigt, wie NS-Kunstpolitik in Wien funktionierte – und hinterfragt, wie man Werke von damals heute noch ausstellen kann.

Ein entschlossen blickender Sportler, porträtiert anlässlich der Olympischen Spiele 1936. Daneben ein gebrochen wirkender, auf seinen Stock gestützter Oskar Kokoschka: Gleich im Entrée der Schau „Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien“ im MUSA, die das Wien Museum dort ausrichtet, treffen zwei konträre Positionen aufei­nander. Einerseits jene Künstler – wie Karl Stemolak, der einen ­Diskuswerfer in Pose schuf –, die in der NS-Zeit Regime-konform arbeiteten und die gewünschte Ikonografie verwirklichten. Andererseits solche wie Kokoschka, der damals als „Kunstfeind Nummer eins“ galt und neben dessen Werk in der Ausstellung ein Brief hängt, in dem er darum ersuchte, die österreichische Regierung möge seine entlehnten Bilder aus deutschen Sammlungen, die für eine Geburtstagsausstellung in Wien waren, ankaufen und sie so vor der Vernichtung schützen. Seinem Wunsch wurde nicht entsprochen.

Als Pars pro Toto stehen die beiden Werke – für eine Zeit, in der die Reichskammer der bildenden Künste über Existenzen in der Branche entschied. Dass zuletzt 3000 Personalakten aus dieser Berufsvereinigung gefunden und von Ingrid Holzschuh und ­Sabine Plakolm-Forsthuber wissenschaftlich aufgearbeitet wurden, ist Anlass für die Schau im ­MUSA. Wien-Museum-Direktor Matti Bunzl nennt das Forschungsprojekt den „Schlüssel zum Verständnis der gesamten Kunstpolitik im Wien der NS-Zeit“. Denn die Akten zeigen ein Machtgeflecht auf, zu dessen Dokumentation bisher die Unterlagen fehlten. Jeder, der in der NS-Zeit beruflich als Künstler tätig sein wollte, musste in die Reichskammer der bildenden Künste aufgenommen werden, eine Zurückweisung des Aufnahmeansuchens glich einem Berufsverbot.

Ruinierte Künstlerkarrieren

Streng bürokratisch lief das Aufnahmeverfahren ab, wie man anhand der Entscheidungsschriften in den Vitrinen sehen kann. Der Stil einer Malerin „entspricht den Kulturrichtlinien des Führers nicht“, ein anderer habe die „schlechte künstlerische Leistung seiner Klasse, die vorwiegend als Kunstentartung bezeichnet wird“, zu verantworten, beim Dritten ist der Beweis über die arische Abstammung nicht erbracht worden – was auf dem Akt eine kurze Notiz ist, zerstörte in der NS-Zeit Künstlerkarrieren. Wenn nicht gar Leben, hängt hier doch auch eine Liste der vorher in Wien tätigen Künstler, die aus rassischen, politischen oder künstlerischen Gründen in die Emigration getrieben, verfolgt oder in Konzentrationslagern ermordet wurden. Wie andererseits manche ihre Fähnchen nach dem Wind hängten und sowohl in der NS-Zeit als auch danach reüssierten, wird durch ausgestellte Werke ebenso klar wie durch einzelne nachgezeichnete Biografien.

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