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Die Kunst de Buddhismus in Indien

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Mit einer Ausstellung im Wiener Künstlerhaus informiert das Kunsthistorische Museum über die Hochblüte indischer Kunst in der Zeit des Buddhismus.

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Mit einer Ausstellung im Wiener Künstlerhaus informiert das Kunsthistorische Museum über die Hochblüte indischer Kunst in der Zeit des Buddhismus.

Mit einer Schau über die Hochkultur im frühen Indien setzt das Kunsthistorische Museum im Wiener Künstlerhaus die Reihe seiner Sonderausstellungen über frühe Hochkulturen fort. Von langer Hand vorbereitet, ist diese Veranstaltung ebenso wie die Vorgänger-Expositionen über Ägypten Und die Maya trotz der empfindlichen Budgetkürzungen zur Großausstellung geraten. Mit einem Unterschied allerdings: „Buddha in Indien - Die frühindische Skulptur von König Asoka bis zur Guptazeit” gibt sich ohne insze-natorische Effekte. Generaldirektor Wilfried Seipel, mit den Gestaltungsmöglichkeiten in den Bäumen des Künstlerhauses bereits bestens vertraut, läßt ohne Unterstützung von Architekten oder Graphikern die 230 Ausstellungsobjekte für sich allein sprechen.

200 Leihgaben hat der indische Subkontinent zur Verfügung gestellt. Sie kommen aus dem Nationalmuseum von New Delhi und dem Indian Museum in Calcutta sowie aus den Regionalmuseen von Amaravatti, Sanchi, Sanghol, Va-ranasi, Sarnath, Badgaya und Nagar-junakonda. Aber auch das Musee Guimee in Paris, das British Museum in London, das Ashmoleon Museum in Oxford, das Metropolitan Museum in New York, das Museo Nationale d'Arte in Rom, das Museum für Indische Kunst in Rerlin und

das Wiener Völkerkundemuseum haben gemäß der Wunschliste Sei-pels, seines Assistenten Christian Hölzl und von Universitätsdozentin Deborah Klimburg-Salter jene Objekte verborgt, die in den verschiedenen Kunstprovinzen über sieben Jahrhunderte hinweg die indische Kultur geprägt haben.

Vor Augen geführt wird somit die Entwicklung der buddhistischen Plastik seit den Tagen des zum Buddhismus übergetretenen Maurya-Königs Asoka (272 bis 236 v. Chr.), in dessen vom Ganges bis zum Fluß Krishna reichendem Staat indische Kunst eine Hochblüte erlebte und der Buddhismus bis nach Ceylon und China getragen wurde. Diese Blütezeit endet mit der Herrschaft der Gupta-Dynastie (viertes bis sechstes Jahrhundert n. Chr.), als in Indien der Hinduismus über den Buddhismus siegte und die Lehre Buddhas weiter nach Burma, Siam (Thailand) und Ceylon (Sri Lanka) verdrängt wurde.

Das Panorama umfaßt somit die nach den Fundorten benannten Ausformungen der nord- und mittelindischen Schulen: Neben den Darstellungen der Maurya-Zeit vor allem die der Ghandara-Kunst aus dem Gebiet der heutigen Stadt Peshawar mit ihren hellenistisch beeinflußten Kleinskulpturen und Reliefs sowie jene der Mathura- oder Kushana-Kunst mit menschengestaltigen Buddha-Figuren.

Zahlreich sind dabei die Steinreliefs aus der Zeit des in Pataliputra (heute Patna) regierenden Königs Asoka mit buddhistischen Symbolen:

dem Lotos für die Geburt des historischen Buddha (Buddha = der Erleuchtete), dem Baum der Erkenntnis für seine Erleuchtung und ein Reliquiar für seinen Tod, während Tierdarstellungen und Bäume die früheren Inkarnationen Buddhas symbolisieren.

Einen breiten Raum nehmen die Skulpturen mit Darstellungen aus den um den historischen Buddha entstandenen Legenden ein.

Geboren wurde der Religionsgründer nach neuen Forschungen nicht bereits um 560 v. Chr., sondern erst im vierten vorchristlichen Jahrhundert als Prinz Gautama Siddhar-ta bei Kapilawastu im heutigen Nepal nahe der indischen Grenze. Seine unter der Schutzherrschaft von König Asoka stehende Lehre wurde erst Jahrhunderte nach seinem Tod schriftlich fixiert.

Der achtteilige Pfad

Ausgangspunkt der sich rasch verbreitenden Lehre, die sich an alle Menschen ohne Unterschied der Kastenzugehörigkeit (also auch an die Parias, die Ausgestoßenen) wandte, ist der Grundsatz der „vier edlen Wahrheiten”: der Wahrheit vom Leiden, der Wahrheit von der Leidensentstehung, der Wahrheit von der Leidensvernichtung und der Wahrheit von dem zur Leidensvernichtung führenden achtteiligen Pfad.

Erkannt hatte sie Gautama nach siebenjähriger Meditation unter einem Bodhi-Baum (Feigenbaum) in Bodh Gaya südwestlich von Benares

(Varquasi), verkündet hatte er sie zum ersten Mal fünf Asketen im Tierpark Isipatana (heute Sarnath) bei Benares. In der buddhistischen Tradition gilt diese Predigt als das „In-Bewegung-Setzen des Rades der Lehre”. Ihr folgte die Gründung des •Mönchsordens, dessen erste Mitglieder Buddha und die fünf Asketen waren. Auf ihr beruht auch die Darstellung des Rades mit acht Speichen als Symbol für den achtteiligen Pfad.

Zu den glänzendsten Beispielen indischer Kunst zählen die Skulpturen und Reliefs vom Stupa (= Reliquienhügel mit mächtiger, reichgeschmückter Kuppel) von Sanchi im Osten Zentralindiens aus der Zeit Asokas und der Kushanas (erstes bis drittes Jahrhundert n. Chr.). So veranschaulichen die mit Querbalken versehenen Steintore des Stupa Szenen aus dem Leben und den früheren Inkarnationen Buddhas. Das südliche zeigt beispielsweise ein in der Kusha-na-Kunst beliebtes Motiv: Maya, Buddhas Mutter, die einer Lotosblume entsteigt, während Elefanten Wasser über ihrem Kopf ausgießen.

Weitere, in der Ausstellung gut vertretene Beispiele für die Kusha-na-Kunst sind Bildwerke von der Geburt des zukünftigen Religionsschöpfers, sein Auszug aus dem Fürstenhof des Vaters bis hin zur Erleuchtung und dem Kampf mit den Dämonen sowie der auf einer Lotosblume stehende oder sitzende Buddha, umgeben von einem oder zwei Heiligenschein(en) oder von Flammen, flankiert von Jüngern und diversen Volksgöttern in einer Verehrung ausdrückenden Haltung.

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