Brandl 1 - © Bild:  Herbert Brandl, Ohne Titel, 2019  Öl auf Leinwand, 250 × 200 cm  Sammlung Oesterreichische Nationalbank, Foto: Markus Wörgötter, Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien
Ausstellung

Herbert Brandl: Imaginierte Natur

1945 1960 1980 2000 2020

Herbert Brandl arbeitet gerne mit der Bildsprache der Romantik. Das Belvedere 21 präsentiert einen Überblick über das Schaffen des Malers.

1945 1960 1980 2000 2020

Herbert Brandl arbeitet gerne mit der Bildsprache der Romantik. Das Belvedere 21 präsentiert einen Überblick über das Schaffen des Malers.

Berge faszinieren Herbert Brandl seit seiner Kindheit, besonders zu Ikonen gewordene Ansichten wie die Bergspitze des Matterhorns verfolgen ihn förmlich. Mit der Landschaft, der Umwelt – auch im Kontext von deren Verschmutzung, Verbauung und Zerstörung – hat er sich im Grunde immer schon auseinandergesetzt, seit gut zwanzig Jahren drängt dieses Motiv aber immer gegenständlicher in den Vordergrund seines Schaffens, sei es in Form von wie malerische Nahaufnahmen anmutenden „Blow-ups“ von Wiesenblumen oder expressiven Fernsichten auf erhabene Bergkulissen. Was Brandl dabei kreiert, ist jedoch nie Abbild der Natur.

Er selbst, der 1959 geborene Steirer, der an der Hochschule für angewandte Kunst bei Herbert Tasquil und Peter Weibel studiert hat und entgegen allen zeitgeistigen künstlerischen Strömungen der Malerei immer treu geblieben ist, umschreibt das so: „Ich spiel’ die Natur nach.“ Das Atelier des Malers befindet sich in einer Industriezone am Rand von Wien, fernab unberührter Naturkulissen entstehen hier meist großformatige Bilderwelten, der kreative Prozess ist intuitiv und spontan, Inspiration findet er im Internet, via Webcams. Brandls Bilder der Natur kommen aus seiner Imagination.

Ideal und Wirklichkeit

Im Belvedere 21 hat man noch bis 26. Oktober Gelegenheit, die spannend präsentierte Schau „Herbert Brandl. Exposed to Painting. Die letzten zwanzig Jahre“ zu besuchen. Die von Rolf H. Johannsen kuratierte Ausstellung erstreckt sich über das gesamte Obergeschoß des Museums und wartet auch mit einem 15-minütigen filmischen Porträt des Malers auf, das interessante Einblicke in Schaffensprozess und Motivation des Künstlers gewährt. „Ich wollte die Berge vom Menschen befreien“, gibt Brandl in diesem durchaus auch humorvollen Gespräch mit der Kulturjournalistin Ines Mitterer als Erklärung für seine Motivwahl an.

Seit den frühen 2000er Jahren erschuf der Maler zunächst diverse Ansichten monumentaler Bergwelten, in unterschiedlichen Formaten und Techniken, wenige Jahre später wandte er sich dem Motiv wild anmutender Wasserfälle zu, deren Tosen der Betrachter förmlich hören kann. „Sowohl auf der Ebene der Sujets als auch in der Geisteshaltung sind immer wieder Überschneidungen zwischen der Bildsprache der Romantik und Brandls Werk zu beobachten“, so Kurator Johannsen.