Ikone der Gegenstandslosigkeit

Die letzte Schau der Batliner Art Foundation im Salzburger Museum der Moderne zeigt osteuropäische Avantgarde zwischen 1910 und 1930.

Eine gesichtslose, männliche Gestalt in rotem Kittel und blauer Hose steht frontal in voller Bildhöhe vor einer Landschaft aus horizontalen Farbfeldern, die in ein hügeliges, bläulich schimmerndes Gelände mit einzelnen Bäumen übergehen. Ein blauer Himmel verblasst am Horizont, vor dem sich im Hintergrund ein kasernenartiges Gebäude mit hochliegenden Geschossen abzeichnet: 25 Fenster, schwarze Kreuze schwarz gerahmt, sind wie von Kinderhand eingezeichnet. 'Mann in suprematistischer Landschaft" von Kasimir Malewitsch (1878-1935) entstand zu Beginn der 1930er Jahre, als der Altmeister der russischen Moderne bereits alle internationalen Strömungen der Avantgarde reflektiert, die Ästhetik der reinen Gegenstandslosigkeit zur Ikone erhoben hatte.

Avantgarde im Osten ...

Allein dieses Spätwerk mit der schemenhaften Figur, den narrativen Details und raffiniert changierenden Farbklängen lohnt den Besuch einer kleinen, exquisiten Ausstellung im Museum der Moderne Salzburg. Die Sammlung Batliner beleuchtet mit einer konzentrierten Auswahl von rund zwanzig Werken punktuell die Entwicklung der osteuropäischen Avantgarde zwischen 1910 und 1930 auf ihrem spezifischen Weg in die Abstraktion, zeigt unterschiedliche Positionen in der Auseinandersetzung mit den großen Strömungen Impressionismus, Kubismus und Futurismus.

Der Bogen spannt sich von Michail Larionows frühem 'Segelboote vor Anker" zu Rozhdestwenskis 'Suprematistischer Landschaft", von Alexander Exters expressivem 'Stilleben mit Flaschen und Krug" zu ihrer wenige Jahre später entstandenen abstrakten 'Farbdynamik".

...unterwegs zur Abstraktion

'Der Pfau" (1912) von Natalia Gontscharowa besticht durch hart akzentuierte Farb-und Formkontraste, in die rayonistische Elemente einfließen. Mit einer konstruktivistischen Arbeit 'Proun" (= Pro Unovis, für die neue Kunst) von 1919 ist El Lissitzky vertreten. FrantisÇek Kupkas Farbsymphonien aus den 20er Jahren und sein Licht atmendes 'Mesure du temps" (um 1934) begegnen einem Werk aus der so genannten romantischen Epoche der konkreten Kunst von Wassily Kandinsky. In 'Innerer Bund" (1929) sind kompositorische Bildelemente nach jenen analytischen Prinzipien in eine ausgewogene Harmonie gebracht, wie Kandinsky sie in seiner berühmten Schrift 'Punkt + Linie zu Fläche" während seiner Zeit am Bauhaus in Weimar festgeschrieben hat.

Die Sammlung R.& H. Batliner wird zwar auch künftig Leihgabenwünsche für Ausstellungen im Museum der Moderne berücksichtigen, als eigene Schau aber ist 'kosmos & konstruktion" das bedauerlicherweise letzte 'Kammerkonzert" in einem Batliner-Saal auf dem Mönchsberg in Salzburg.

KOSMOS UND KONSTRUKTION

Werke aus der R. & H. Batliner

Art Foundation

Museum der Moderne Salzburg

Mönchsberg 32, 5020 Salzburg

www.museumdermoderne.at

Bis 9. 7. Di-So 10-18, Mi 10-21 Uhr

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