Jean-Michel Basquiat - © Jean-Michel Basquiat: Untitled, 1982; Acryl und Ölkreide; Private Collection; Foto: Peter Schuhböck © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Jean-Michel Basquiat: Vom Graffiti-Künstler zum Superstar

19451960198020002020

Die Albertina zeigt Werke von Jean-Michel Basquiat, der zu Beginn der 1980er künstlerisch gegen die Diskriminierung von Schwarzen aufbegehrte. Mittlerweile erzielen seine Bilder auf dem Kunstmarkt Rekordpreise.

19451960198020002020

Die Albertina zeigt Werke von Jean-Michel Basquiat, der zu Beginn der 1980er künstlerisch gegen die Diskriminierung von Schwarzen aufbegehrte. Mittlerweile erzielen seine Bilder auf dem Kunstmarkt Rekordpreise.

Ein schwarzer Kopf – einem Scherenschnitt oder einer Maske gleich. Haare stehen wild ab. Sind es Dreadlocks oder sollen die Schatten doch eine Krone darstellen? Jean-Michel Basquiats Selbstporträt, das nun in der Albertina hängt, ist bezeichnend für die Arbeit des afro-amerikanischen Künstlers. Er, der Helden wie Muhammad Ali, Jimi Hendrix oder Louis Armstrong zu seinen Vorbildern erkor, wollte Farbige in die Kunst einbringen. Als Schöpfer derselben einerseits, als Motive andererseits. Sein Anliegen war es, Ausgrenzung und Staatsgewalt gegen Schwarze, Ausbeutung und Kolonialismus mit Mitteln der Kunst an den Pranger zu stellen. 1988 starb er 27-jährig, doch die Wirkung seiner Arbeit ist bis heute ungebrochen. Für seine Werke werden Preise jenseits der 100 Millionen Euro bezahlt, in Zeiten der Black-Lives-Matter-Bewegung wirken sie aktueller denn je.

Letztere soll aber für die Ausstellung in der Albertina nicht Anlass oder Aufhänger sein, betonte Direktor Klaus Albrecht Schröder im Zuge der Eröffnung der ersten umfassenden heimischen Basquiat-Retrospektive mit rund 50 Werken. „Trotz der Brisanz und Aktualität der BlackLives-Matter-Bewegung ist diese nicht Grund für die Ausstellung, sondern der Künstler an sich“, so Schröder. „Sein Werk ist ein Mahnmal gegen Unterdrückung und Diskriminierung, aber auch als Kunst per se durch Basquiats unvergleichbare Sprache bewundernswert.“

Basquiats Stil ist von Expressivität und gleichsam explosiver Stimmung ebenso gekennzeichnet wie von einer Art Copy-Paste-Verfahren, wie Kurator Dieter Buchhart, der die Schau gemeinsam mit Antonia Hoerschelmann zusammengestellt hat, es nennt. Ob er nun das, was bei ihm aus anatomischen Büchern hängenblieb, in seine Werke integrierte, ob er in der Konsumkultur, bei spontanen Eindrücken auf der Straße oder bei einem Gemälde Picassos Anleihen nahm oder afrikanische Stammeskunst zitierte: Was ihn umgab, wurde von ihm für seine sozialkritischen Kommentare in Bilderform herangezogen, seien es nun Knochen, Werbeschriftzüge, Buchstaben oder Ausschnitte aus der Literatur.

Rassistisch motivierte Gewalt

Um den Kampf zu unterstreichen, den Basquiat führte, werden zu Beginn der Ausstellung „Gegner“ vorgestellt: Im ersten Raum zeigt man Porträts von fratzenhaften, weißen Polizisten mit furchteinflößender Miene, blutunterlaufenen Augen und bildfüllendem, breitem Brustkorb in dominanter Pose, die die ständige Angst vor gewalttätigem Einschreiten der Exekutive mit rassistischem Hintergrund zur Grundlage haben. Sie entstanden auch als Reaktion auf den Tod von Michael Stewart, der 1983 beim GraffitiSprühen in New York verhaftet und verprügelt wurde, woraufhin er wenige Tage danach starb. In seinen Bildern drückt Basquiat seine Furcht davor aus, ihm könne ähnliches widerfahren, war doch auch sein Startpunkt Street-Art und Graffiti.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau