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Jubiläum mit Haydn

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Mit einem Festkonzert und anschließendem zwanglosem Beisammensein aller seiner Freunde und Mitarbeiter beging der Musikverlag Döblinger die Feier seines 90jäh- rigen Bestandes als Verlag und seines 125jährigen als Musikalienhandlung. Das Programm des Festkonzertes war Joseph Haydn gewidmet, dessen Symphonien 1 bis 49 soeben in praktisch wissenschaftlichen Ausgaben von H. C. Robbins Landon im Verlage erscheinen. An Stelle einer Festschriit wurden die Taschenpartituren des ersten und des letzten Werkes dieser Sammlung dem Programmheft beigegeben.

Gleichsam als Gegengabe für dieses Geschenk an das Publikum war das musizierende Kammerorchester aus Freunden des Verlages zusammen- gestellt. Auf diese vorbildliche Weise stand der Abend im Zeichen eines erweiterten Familienkreises und der Inhaber des Verlages, Kommerzialrat Christian Wolff, konnte diesen Umstand in seiner Begrüßungsansprache mit tiefer Genugtuung betonen. Nach seinem kurzen und klaren Bericht der Geschichte des Musikhauses Döblinger würdigte Ministerialrat Dr. Friedrich Kleinwächter als Vertreter des Bundesministers für Unterricht die Ver dienste und Bedeutung des Verlages, und H. C. Robbins Landon gab eine launige Schilderung über Suchen und Finden verschollener Haydn-Partituren und einen Rechenschaftsbericht seiner Arbeit als Herausgeber. Die Darbietung der Werke selbst war blitzsauber und von sichtlicher Angeregtheit getragen. Nach der thematisch noch wenig verzahnten, formal noch Züge der Suite tragenden 1. Symphonie erfreute das Concerto per l’organo Nr. 2 (Hob. XVIII :8) mit Hans Haselböck als Solisten durch den heute wohl ungewohnten, aber hellen und gleichsam spitzen Klang und Stil des Orgelparts. Nach der Symphonia Nr. 49 (La Passione) schloß mit der Ouvertüre „L’incontro improvviso“ der musikalische Teil des Abends. Unter den Gästen waren prominente Namen des österreichischen Musiklebens in langer Reihe vertreten.

Das erste Konzert des „Wiener- Symphoniker-Zyklus“ (Symphoniker unter Wolfgang Sawallisch) begann mit Frank Martins „Petite Symphonie concertante“, das mit einer „dozierten“ Zwölftonreihe beginnt, im Verlauf seiner zwei Sätze diese Reihe jedoch völlig undogmatisch einer sehr einfallreichen, farbigen, rhythmisch diffizilen, klanglich aber stets positiven Verwandlung unterwirft. Die Soloinstmmente: Harfe (Elisabeth Bayer), Cembalo (Kurt Rapf) und Klavier (Heinz Medjimorec) kommen voll zur Entfaltung, ohne je die Komposition ins rein Virtuose abgleiten zu lassen. Es ist ein Stück, das von Beginn bis Ende steigernd fesselt und hatte den entsprechenden Beifall. Beim „Konzert für Klavier und Orchester D-Dur, KV 451“ von W. A. Mozart spielte Marcello Abbado den Klavierpart mit der gleichen spielerisch scheinenden Sicherheit, mit der das Orchester begleitete. Nach dem Tiefgang des Andante kam das unbekümmert Musikantische im letzten Satz zu mitreißendem Durchbruch. Mit einer besonders feierlichen Wiedergabe der 5. Symphonie, c-Moll, von Beethoven schloß der eindrucksvolle Abend, der die Symphoniker auf ihrer Höhe und den Dirigenten in souveräner Gestaltung zeigte, die vielleicht manches Detail unbetont ließ, die große Linie jedoch, mit leichter Neigung zum Pathos, unbeirrt durchsetzte.

In der Basilika Maria-Treu gab Jean Costa (Paris) einen Orgelabend mit ausschließlich französischem Programm. Kostbarkeiten aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, meist zu kirchlichem Gebrauch komponiert, füllten die erste Hälfte: zwei Stücke von Nicolas de Grigny (1672 bis 1702), eine „Tierce en taille“ aus der Messe des Convents von Franęois Couperin (1668 bis 1733) und eine Suite von Louis Nicolas Clėrambault (1676 bis 1749). Das Wechselspiel von Stimmen und Farben war in feinen Schattierungen fast körperlich vorhanden, obwohl die Orgel aus einer späteren Zeit stammt und manche Nuancen nur andeutungsweise zur Geltung kamen. Nach der Phantasie in A-Dur von Cėsar Franck (1822 bis 1937), dem die französische Orgelkunst eine Renaissance verdankt, hörte man Komponisten des 20. Jahrhunderts: ein Intermezzo von Charles Marie Widor (1845 bis 1937) aus einer Orgel Symphonie (!), dann aber die beiden Höhepunkte des Abends, von Olivier Messiaen „Apparition de l’Eglise ėternelle“ und Jean Costas eigene Improvisation über ein gegebenes Thema. In beiden Fällen trat die Gegenwart unmittelbar an den Hörer heran und in beiden auf verschiedene Weise, drängend, eindrucksvoll, expressiv bei Messiaen, ruhig, in polyphon bestimmtem und doch harmonisch schwebendem Aufbau bei Costa. Es war ein einheitlich gestalteter Abend, von dem die zahlreich erschienenen Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck mitnahmen.

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