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Klimts und Schieies im Belvedere

Als eine der größten kulturpolitischen Taten der Zweiten Republik” bezeichnete Unterrichtsminister Erhard Busek den Ankauf der Sammlung Leopold und meinte, daß „diese auf Grund ihrer Fülle an Kunstschätzen, ihres umfassenden Anspruchs und ihres spezi-fisqh österreichischen Charakters den nachfolgenden Generationen die Möglichkeit geben wird zu erfahren, welch große schöpferische Leistungen Osterreich hervorgebracht hat.”

Daß dies bisher aufgrund bereits bestehender insbesondere öffentlicher Sammlungen nicht möglich gewesen sein sollte, mag der kunstinteressierte Österreicher angesichts der Schätze des Kunsthistorischen Museums, der Albertina, des Museums für angewandte Kunst, vor allem aber der Österreichischen Galerie nicht so leicht glauben. Wie sieht nun Gerbert Frodl, der Leiter der Österreichischen Galerie im Belvedere, das Verhältnis seines Hauses zum - hoffentlich bald - realisierten Museum Leopold?

„Das Interesse der Bepublik mußte es sein, die Sammlung Leopold zu erwerben, sie im geschlossenen Zustand zu bewahren und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wenn dort - zum Teil durch die Medien verursacht - die Bedeutung der Sammlung Leopold über der der Österreichischen Galerie gehandelt wurde - hängt das auch mit den spektakulären Vorgängen um den Erwerb zusammen. Die Österreichische Galerie ist von Staate wegen beauftragt, österreichische Kunst zu sammeln, die Sammlung ist systematisch aufgebaut und hat den Ansprach, einen Uberblick zu bieten. Die Sammlung Leopold hat alle Vorzüge und Nachteile einer privaten Sammlung.”

Die Österreichische Galerie ist aus der 1903 gegründeten „Modernen Galerie” hervorgegangen, die damals von den Künstlern der Secessi-on vehement gefordert wurde, um eine Sammlung mit Werken zeitgenössischer Kunst zu gewährleisten. Sie wurde damals im Oberen Belvedere angesiedelt und war das erste staatliche Museum (im Gegensatz zu den Privatsammlungen der Habsburger). 1910 wurde das Sammelgebiet auf die gesamte österreichische Kunst erweitert, vom Mittelalter bis zur jeweiligen zeitgenössischen Kunst. Dieser Auftrag existiert bis heute, unabhängig von persönlichen Vorlieben der jeweiligen Direktoren, meint Frodl. Sie besteht aus den Teilsammlungen des „Museums mittelalterlicher Kunst” und des Barockmuseums (beide im Unteren Belvedere) und der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts (im Oberen Belvedere). Dazu kommt noch das Ambrosi-Museum im zweiten Bezirk.

In Österreich gebe es keine Sammlung, in der die mittelalterliche Kunst des Landes so exemplarisch vertreten sei wie hier, betont Frodl, dasselbe gelte auch für die Barockkunst (mit Ausnahme der monumentalen Werke in den Kirchen und Klöstern). Für das 19. Jahrhundert befänden sich exemplarische Werke des Biedermeier, des Klassizismus, der Bomantik und der Ringstraßenzeit im Besitz der Galerie und „Wien um 1900” sei mit Werken von Klimt und Schiele sehr gut vertreten.

„Der Kern der Sammlung Leopold sind die Werke Schieies, mit denen er ja seinen Ruf als Sammler begründete. Hier im Haus gibt es dreizehn oder vierzehn Werke von ihm, darunter einige Hauptwerke, aber als gewachsene Sammlung liegt ein Schwerpunkt vielleicht eher bei Klimt als bei Schiele. Durch Werke von Carl Moll, Koloman Moser und anderen ist ein guter Querschnitt durch die Malerei dieser Zeit gegeben. Leopold hat natürlich auch Möbel und Kunstgewerbe, was nicht unser Sammelgebiet ist”, betont Frodl.

Daß man früheren Museumsleitern den Vorwurf versäumter Ankäufe machen könne, bestreitet Frodl. Natürlich habe die Österreichische Galerie auch in den fünfziger Jahren gekauft, Klimts „Judith” etwa sei 1954 erworben worden, aber die Möglichkeiten einer Privatperson seien eben anders als die einer staatlichen Insitution - vom Schuldenmachen, übers Kreditaufnehmen bis zum Tauschen von Bildern.

Daß hingegen das Interesse an der zeitgenössischen Kunst in den vergangenen zwanzig, fünfundzwanzig Jahren in der Österreichischen Galerie eher gering gewesen sei und große Lücken in der Sammlung entstanden wären, gibt Frodl offen zu. In seiner Ankaufspolitik setzt er systematisch auf die Zeitgenossen, er möchte die vorhandenen Lücken nach und nach schließen. Bei Ankäufen aus dem 19. Jahrhundert müsse man sich freilich auf Hauptwerke beschränken.

Daß die Österreichische Galerie ausschließlich Ölgemälde sammle, sei auch vom Preis her eine Schwelle. Leopold besitze viele sehr gute Arbeiten auf Papier - auch von Schiele, für die sei staatlicherseits aber die Albertina zuständig. Deren Schiele-Sammlung könne sich durchaus sehen lassen.

Natürlich soll die Stärke des Hauses, der Überblick, nach Beendigung der Renovierungsarbeiten im Belvedere auch in der Präsentation besser hervorgehoben werden. „Wien um 1900”, also Klimt und Schiele, werden gemeinsam mit der „Klassischen Moderne” im ersten Stock gezeigt, wo auch - entsprechend dem Publikumsandrang - die größten Räume zur Verfügung stehen. Gleichzeitig werden auch internationale Künstler gezeigt, deren Einfluß auf dieses „Wien um 1900” nachweisbar ist, also Van Gogh, Giovanni Segantini oder der Belgier Fernand Khnopff. Die „Ringstraßen-zeit” wird ebenfalls im ersten Stock geboten, schon wegen der großformatigen Objekte, die die hohen Räume benötigen. Im zweiten Stock sollen in den kleineren Räumen, Rie-dermeier, Klassizismus und Romantik zu sehen sein.

Im Erdgeschoß wurden durch die Absiedlung von Werkstätten neue Räume gewonnen, dort wird vor allem die zeitgenössische Kunst Einzug halten. „Semi-permanent” sollen hier für ein halbes oder dreiviertel Jahr jeweils Teile dieser Sammlung gezeigt werden, auch Ausstellungen von außen könnten hier Platz finden. „In den anderen Abteilungen sind die Bildbestände fix, denn der Museumsbesucher muß sich darauf verlassen können, in unserem Besitz befindliche wichtige Werke zu sehen zu bekommen.”

Und wann wird es soweit sein? Wenn es nach Plan geht, im Frühjahr 1996. Die Öffnung der Abteilungen soll schrittweise erfolgen. Am März 1995 ist Jean Egger, ein gebürtiger Kärntner, der lange in Paris lebte, im Oberen Belvedere zu sehen, ab 2. Mai gibt es eine Schau mit Bildern Max Weilers.

Unvorhergesehene Finanzierungssorgen im Zuge der Bestaurie-rung sind durch die notwendige Sanierung der Stuckdecken im ersten Stock aufgetreten.

Die Erneuerung der tragenden Balken wurde nach 250 Jahren notwendig und kostet neun bis zehn Millionen Schilling.

Im nächsten Jahr dürfen die Bundesmuseen und das Bun-desdenkmalamt wieder mit gößeren Subventionen rechnen, as versprach jedenfalls Unterrichteminister Erhard Busek. Wie sie heuer über die Runden kommen werden, ist allerdings noch offen.

Das vom Sparpaket besonders empfindlich getroffene Denkmalamt, dessen Subventionen von bislang 204 Millionen Schilling auf etwa die Hälfte reduziert worden sind (der genaue Betrag steht noch aus), hat bereite das für April in Linz geplante Juristengespräch über Denkmalschutz abgesagt. Wahrscheinlich wird es auch die für den Herbst vorgesehene Konservatorentagung in Wien streichen müssen. Was für die eigentliche Denkmalpflege ausgegeben werden kann, gleicht dem Tropfen auf dem heißen Stein.

Über Anforderung von Gerhard Sailer, Präsident des Bundes-denkmalamtes, stellen die Konservatoren der sieben Bundesländer eben eine Liste ihrer Bestaurie-rangsmaßnahmen zusammen -der schon laufenden und der ursprünglich ins Auge gefaßten. Gemeinsam wird dann mit dem Ministerium beraten, wo es zu Baueinstellungen kommen muß und wo nicht. Hedy Gholig

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