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Kumtmaschim-Bildßnder und Poet mit dem Pinsel

Österreicher bis tief hinein in Psyche und Vorstellung, Malererzähler, Malererzählererfindermaler. .. Einer, der visuell greifbar macht, was an der Grenze zwischen Realität und Vision liegt. Ein Erfinder als Finder," so Heinz Ohff zu Attersees Ausstellung „Zyklus Segelsport" 1972 in Berlin. Am 14. Mai feiert Attersee, Maler von fast 5000 Bildern, sein dreißigjähriges Ausstellungsjubliäum.

„Kunst ist bei Attersee die radikalste Art der Liebe, ein Kampf Tag für Tag gegen die Sterblichkeit." Attersees Bilder unterwerfen sich keiner Kunstrichtung. Denn seine Bilder enthalten alles, was Kunst sein kann, vom Informellen, Abstrakten bis zum Gegenständlichen. Seine Bilder strahlen, sie sind durchflutet, von Wind und Wasser, vom Wetter bestimmt. Wasser und Wind sind jene Elemente, die in seinem Leben stets eine große Bolle gespielt haben. In seiner Jugend gilt er als herausragende Persönlichkeit des österreichischen Segelsports. Er gewinnt vier Regatten und wird österreichischer Meister.

Attersee sieht sich als Kunstmaschine. „Ich habe nicht die Not, daß mir nichts einfällt, sondern im Gegenteil, seit Jahren habe ich das Konzept kein Bild vorwegzudenken, vorwegzuplanen. Der Höhepunkt meines Lebens ist diese Arbeitszeit, die ich bei der Bildentstehung im Bildschirmfunk verbringe, da hab ich dann meine speziellen Regeln, das sind Körpergefühle."

1940 als Sohn eines Architekten in Preßburg geboren, kam Christian Ludwig mit

vier Jahren nach Aschach an der Donau in Oberösterreich. Sein Vater wollte, daß er Architekt werde, doch Christian Ludwig wollte Opernsänger werden. Was lag da näher als der Kompromiß des Bühnenbildners? Doch er erkennt bald, daß er eigentlich etwas anderes machen will, „als immer Sessel zeichnen". 1963 macht Attersee sein erstes Diplom bei Eduard Bäumer für Malerei und Graphik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.

Attersee malt immer nur „Ersterlebnisse" . Er ist ein Poet, der seine Bilder erzählen läßt. Er hält Kunst für die „höchste Möglichkeit menschlicher Verständigung".

Derzeit arbeitet er gemeinsam mit dem Wiener Architekten Ernst Huss an der Gestaltung einer Hausfassade in der Mariahilferstraße, dem „Atterseehaus", das Ende Mai fertiggestellt

werden soll. 10 000 Glasmosaiksteine zeigen den „Wetterhändler". Diese Figur könnte auch als Selbstdarstellung des Künstlers betrachtet werden. Denn Merkur, den diese Figur darstellt, schwebt über einer frei gestalteten Erde, die Sonnenkugel auf seiner rechten Schulter, umkreist von „Wetter-Licht, Wolken-Nass, Tropfenparaden", den zentralen Inhalten von Attersees Leben und Werk. Damit wird Wien ein neues Wahrzeichen bekommen.

Attersee fühlt sich als Österreicher: „Ich liebe dieses Land, ich hätte noch eine viel größere Karriere machen können. Ich hätte die Bichter-Klasse in Düsseldorf übernehmen können, ich bleibe aber gern in Wien an der Hochschule." So spielt auch Österreich immer wieder eine große Rolle in seinen Rildern. 1995 gestaltete er die Umschläge für die Ausgabe des mehrbändigen Österreich-Lexikons im Ueberreuter Verlag.

Den Auftakt seines dreißigjährigen Ausstellungsjubiläums bildet die Ausstellung „Kern und Tau" im Sommerpalais Harrach. Als künstlerisches Zitat seiner Arbeit hat Attersee ihm wichtige Bilder ausgesucht.

Ausstellungen:

„ Tau und Kern " Kunstsalon Sommerpalais Harrach, Wien IV, Favoritenstraße 4; 15. Mai-19. Juni

„Wetterscheiden" Gut Gasteil, Prigglitz 29. Juni - Ende August „Malerei der 90er Jahre " Atterseehalle, Attersee am Attersee 15. Juli - 28. August

„Neue Feuchten " Galerie Zwach Schörfling am Attersee 29. Juli -Ende August

„Retrospektive 1966- 1996" Galerie KlewanlMünchen 14. September - Ende Oktober

„Jesus übt"(Bilderauswahl der 90er Jahre, zum Thema Schuldzuweisung und Vergebung) FrauenbadjBaden bei Wien 18. Oktober—Ende Dezember „Bilder und Bilderzyklen 1995 - 1996" Galerie MenottijBaden bei Wien 18. Oktober - Ende November

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