Kunst der Spiegelungen - © Thomas Ender: Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz-Vienna
Ausstellung

Kunst der Spiegelungen und Reflexe

1945 1960 1980 2000 2020

Die Albertina zollt dem 300-jährigen Bestehen des Fürstentums Liechtenstein mit dem zweiten Teil der Jubiläumsausstellung Tribut. „Rudolf von Alt und seine Zeit. Aquarelle aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein“ dokumentiert eine Blütezeit dieses Genres. 

1945 1960 1980 2000 2020

Die Albertina zollt dem 300-jährigen Bestehen des Fürstentums Liechtenstein mit dem zweiten Teil der Jubiläumsausstellung Tribut. „Rudolf von Alt und seine Zeit. Aquarelle aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein“ dokumentiert eine Blütezeit dieses Genres. 

Prunkvolle Gemälde und Skulpturen hier – zarte Aquarelle da. Die Fürstenfamilie von und zu Liechtenstein, deren Sammlungen aktuell in der Albertina zu sehen sind, waren nicht nur an barocker Pracht interessiert. Vielmehr gilt ein Schwerpunkt der Sammeltätigkeit bereits seit Langem dem Aquarell. Alois II., Mitte des 19. Jahrhunderts, und der aktuell amtierende Fürst Hans-Adam II. gelten als wahre Liebhaber dieser intimen Kunst. In einer Ausstellung in der Albertina wird diesem Faktum mit 90 Werken Rechnung getragen, während nebenan ein Parcours von „Rubens bis Makart“ führt.


In „Rudolf von Alt und seine Zeit“ wird nicht nur der kenntnisreichen fürstlichen Sammelleidenschaft gepaart mit einem Höhepunkt des Mäzenatentums ein Denkmal gesetzt, sondern auch gleichzeitig ein Überblick über die Wasserfarbenmalerei der Ära geboten. Alois II. war von dem Zeitpunkt an, als er 1836 die Regierungsgeschäfte übernahm, ein wichtiger Auftraggeber für Künstler wie Rudolf von Alt, Josef Kriehuber, Joseph Höger und Peter Fendi. Von einem neuen, spontanen Umgang mit Licht und Kolorit zeugen deren Blätter. Von Alt wurde dabei zum Chronisten, wenn er die auf Repräsentation angelegten Interieurs der Liechtensteinschen Wohnstätten malte. Doch neben dem Blick auf die Pracht adeliger Wohnkultur wird auch offenbar, wie er es zu wahrer Meisterschaft in der Darstellung von Licht und Materialität brachte, etwa, wenn sich das Feuer im blanken Parkett spiegelt und das durch hohe Fenster einfallende Sonnenlicht raffinierte Reflexe erzeugt.


Perspektivischer Durchblick

Augenfällig ist hier, dass sich Rudolf von Alt von der bisher gängigen Guckkas­tenperspektive löst. „Er geht in eine Ecke und macht sich auf diese Art und Weise das Weitwinkelphänomen zunutze“, sagt Kuratorin Laura Ritter. „So kann er mehr vom Raum zeigen und eine andere plastische Wirkung erzeugen als frontale Ansichten bisher. Erstmals findet man deshalb auch Durchblicke.“ Menschenleer sind die Darstellungen der hochherrschaftlichen Ausstattungen, einzig einmal entdeckt man im Hintergrund einen Diener, einmal ein Kind. „Es ging wirklich darum, die Pracht der Gebäude festzuhalten.“ Für die Darstellung der Familie waren vielmehr Joseph Höger und Peter Fendi zuständig. Interessant ist, dass sich die Bilder, die Fendi von den Fürstenkindern anfertigte, nicht maßgeblich von den sentimentalen Genredarstellungen unterscheiden, die im nächsten Raum hängen und Kinder aus einfachen Verhältnissen darstellen. „Er sah die Fürs­tenkinder förmlich mit dem gleichen Auge wie die einfachen Leute und malte sie als Menschen wie du und ich. Diese Darstellungen haben nichts mehr mit Infantinnengemälden à la Velazquez zu tun“, sagt Ritter.

Alois II. war von dem Zeitpunkt an, als er 1836 die Regierungsgeschäfte übernahm, ein wichtiger Auftraggeber für Rudolf von Alt, Josef Kriehuber, Joseph Höger und Peter Fendi.

Ein amüsantes Detail sind die Miniaturporträts von Moritz Daffinger. Es sind gleichermaßen erste Autogrammkarten. Metternichs Frau ließ ihre Besucher von Daffinger festhalten und diese das fertige Bild unterschreiben, auch Alois II. ist darunter, weshalb ein paar Blätter angekauft wurden.
Zu einer Zeit, als die Alpenlandschaften wichtige Motivquelle der Biedermeiermaler wurden, reiste auch Alois II. mit Höger ins Salzkammergut, wo dieser pittoreske Plätze mit der Leichtigkeit und Frische des Aquarells festhielt. „Das Aquarell war zwar hier eine Art Vorläufer der Reisefotografie, in Wahrheit waren es aber wohl überlegte Kompositionen und daher eine konstruierte Wirklichkeit.“


Von Rudolf von Alt zeigt man wiederum zahlreiche Reiseimpressionen aus Italien. Erst malte er gängige Motive, später wich er von diesen ab. Wenn man seinen Fischmarkt in Rom betrachtet, der keinesfalls ein gefälliges Motiv darstellt, möchte man zuerst gar nicht zwingend ihn als Urheber annehmen. Aber auch die für ihn typischen biedermeierlichen Wien-Veduten in hellem Sonnenlicht sowie ein Aquarell von der Hof­opernstiege, in dem Glanzlichter betont und anderes verschattet wurde, fehlen in dieser Ausstellung natürlich nicht und lassen sein außergewöhnliches Spiel mit Licht und Schatten nachvollziehen.
Somit dient die Präsentation der Aquarell-Sammlung der Fürsten Liechtenstein als willkommenes Vehikel, um vor Augen zu führen, was die Wasserfarbenmalerei alles zu leisten imstande ist und welche Blüte dieses Genres gerade zur Zeit Rudolf von Alts herrschte.

Kunst der Spiegelungen - © Thomas Ender: Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz-Vienna
© Thomas Ender: Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz-Vienna
Ausstellung

Rudolf von Alt und seine Zeit

Albertina, bis 10. Juni 2019
Tägl. 10–18 Uhr, Mi und Fr 10–21 Uhr
www.albertina.at

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