Malerische Kompositionen, tönende Bilder

Unter dem Titel "Melodie/Rhythmus/Tanz" dokumentiert das Museum der Moderne in Salzburg die intensive Auseinandersetzung des Zeichners und Malers Paul Klee mit der facettenreichen Beziehung zwischen Musik und bildender Kunst.

Das Bild der Sängerin L. als Fiordiligi" (1923) zeigt eine zierliche Gestalt in Rokoko-Manier mit Wespentaille und reicher Lockenpracht. Paul Klee (1879-1940) huldigt mit diesem zeichenhaften Bildmotiv - nicht ohne Augenzwinkern - dem Ur-Weiblichen und bezieht sich in Verehrung seines musikalischen Leitsterns Wolfgang Amadeus Mozart auf dessen Oper "Così fan tutte". "Eine wirklich ganz sichere Freundschaft, unzertrennlich und tief verankert, mit einem vorbildlichen Künstler zu schließen, ist mir gelungen", schrieb Klee 1932, im Jahr vor seiner Entlassung aus der Kunstakademie Düsseldorf. Seine intensive Auseinandersetzung mit der Beziehung von Musik und Kunst hatte bereits ein umfangreiches Œuvre entstehen lassen.

Geiger und Musikkritiker Klee

Um diese Synästhetik im Werk von Paul Klee geht es in "Melodie/Rhythmus/Tanz", einer ausgezeichnet konzipierten Kabinett-Ausstellung, die Direktor Toni Stooss im Museum der Moderne Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Paul-Klee-Zentrum Bern eingerichtet hat. Es ist eine besonders dichte Schau, in der 165 kleinformatige Werke Paul Klees nach Schwerpunkten präsentiert werden. Gleichsam als Einführung ist auf umlaufenden Wandkonsolen eine sehr informative, umfangreiche Dokumentation zu Klees Biografie und zu seinem künstlerischen Umfeld vorangestellt.

Paul Klee, der in einem aktiven musischen Elternhaus aufwuchs, war zeitlebens Ausübender und kritischer Zuhörer zugleich: als Geiger im Bernischen Orchesterverein vor sowie nach seinem Kunststudium in München (1898-1901), als kenntnisreicher Musikkritiker, mit spitzer Feder formulierend und karikierend. Neben dem Musiktheater galt seine Vorliebe der klassischen Kammermusik.

Die Münchner Jahre (1906-1920) prägten ihn im Kontakt zu den Künstlern des Blauen Reiter um Wassily Kandinsky und Franz Marc, und die Tunis-Reise 1914 mit August Macke und Louis Moillet führte endgültig zur Entscheidung für die Malerei: Klee hatte die Farbe für sich entdeckt. In der Folge bestimmten zunehmend malerische Komponenten seine Arbeit auf dem Weg zu eigenen Strukturen und Bildfindungen, und dies parallel zu synergetischen Bestrebungen durch Kandinsky und Arnold Schönberg bzw. Johannes Itten und Josef Matthias Hauer.

Während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus in Weimar bzw. Dessau in den zwanziger Jahren, als er wieder mit Kandinsky und Itten, aber auch mit dem gleichfalls musizierenden Lyonel Feininger zusammentrifft, gelingt es Paul Klee, strukturelle Analogien zwischen Musik und Malerei auch theoretisch festzulegen. Mit Begriffen wie "Rhythmus", "Gliederung" und "Polyphonie" ist es ihm möglich, Gesetzmäßigkeiten aus der Musik in Zeichnung und Malerei zu übertragen, Komponenten von Zeit und Raum ins Bild zu projizieren.

Landschaften mit Noten

Die eindrucksvolle Werkauswahl umfasst alle Schaffensperioden von der 1904 entstandenen Radierung "Komiker" bis zu jener archaisch anmutenden Kreidezeichnung "Kräfte des Paukers" (1940). Frühen karikaturhaften Zeichnungen folgen glühende Farbarchitekturen mit eingefügten Linien oder Zeichen, sich überlagernden Farbschichten oder das Bild gliedernden Textstrukturen. Landschaften mit Noten oder landschaftliche Notationen rhythmisieren das Bild; in den Quadratbildern ordnen sich weich konturierte Farbfelder zu ausgewogenen Kompositionen. Besonders faszinierend sind Vergleichsmöglichkeiten zwischen Klees akribisch ausgeführten Harmonie-Analysen (der Musik Bachs) und seinen frei in Farbtöne übersetzten Polyphonien wie in "Fuge in Rot", 1921.

Rhyhthmisierende Linien

Immer sind es die Linien, die rhythmisierende oder melodische Akzente setzen, auch in den pointillistisch schimmernden Arbeiten mit ihren diaphanen Strukturen. Bewegungsmuster aus der Musik, wie jene des Dirigierens oder des Tanzes, fließen ein in zeichenhafte Lineamente. In den späten Arbeiten überlagern sich "musikalische" Themen mit mythisch-geheimnisvollen Bildmotiven. In "chronometrischer Tanz" (1940) schließlich scheint jegliche Dynamik wie eingefroren.

Klees magische Bildwelten erschließen sich in ihrer Vielfalt erst mit genauer Betrachtung; eine besondere Gelegenheit dazu bietet diese Ausstellung, die man nicht versäumen sollte.

Paul Klee. Melodie/Rhythmus/Tanz

Museum der Moderne Mönchsberg

Mönchsberg 32, 5020 Salzburg

bis 1. Feb. 2009, Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr

Katalog hg. v. Toni Stooss, Salzburg 2008, e 33,-

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