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Plump statt romantisch

Ich muß Sie vertrösten, Thomas Werner ist nicht mehr im Museum!" Die Sekretärin am Telefon des Technischen Museums ist nur zufällig auf der Baustelle. .. Mit der fristlosen Entlassung von Thomas Werner, dem bisherigen Direktor, ging das Rätselraten um die Renovierung des technischen Museums in Wien wieder los. Schon fünf Jahre ist es wegen Umbaus geschlossen. Trotz aller Querelen und Beleidigungen zwischen der Direktion und dem Sektionsleiter des Unterrichtsministeriums, Rudolf Wran, soll das Gebäude am 22. April 1999 wieder eröffnet werden.

Fest steht nur eines: Seit dem ersten Wettbewerbsentwurf steht dieser Umbau unter einem schlechten Stern. Momentan wird das beinahe leere Museum für Feste genutzt, eine der Möglichkeiten, sich ein Urteil über die räumlichen Veränderungen seit dem Umbau zu bilden. Mit der verstaubten Romantik, die das kraß überfüllte 'Technische Museum mit all seinen alten Schaustücken vor seiner Schließung ausstrahlte, hat der momentane Zustand nichts mehr gemein. Gravierende Bauschäden hatten dem Belikt monarchistischer Aus-' Stellungskultur ein Ende bereitet. Das, was es war, wird das technische Museum nie mehr sein: Eines der letzten Dokumente zur Kunst des Ausstellens im vorigen Jahrhundert. Der (irundstein zu den Sammlungen wurde 1807 gelegt.

1989 fand ein Architektenwettbewerb statt. Das Konzept des „Ateliers in der Schönbrunnerstraße", ein mit allen Raffinessen der modernsten Energietechnik ausgestatteter Glaskubus, der den Naturbestand, ein Cafe, sowie große, neue Ausstellungsflächen in einer faszinierenden Symbiose aus Bäumen, historischen Schaustücken und modernster Bautechnologie vorsah, scheiterte aber am allzuhohen Anspruch. „De facto wäre das nicht finanzierbar gewesen ", erklärt Helmut Kabert, der technische Rat der Bundesbaudirektion für Wien: Die Herstellungssumme des vorgeschlagenen Projekts habe „spekulativ weit über die Milliardengrenze" gereicht: „Optisch war das schon fantastisch, aber die Betriebskosten hätten das Museum umgebracht." Dabei wäre die Wirkung eines nächtlich erleuchteten Kubus vordem Hintergrund des historischen Baus, von dessen Glasdach Flugzeuge und andere Modelle hängen, sicher attraktiv gewesen. Allein der starke Zugang zu den clubbings, die das Museum eine Zeitlang in einen nächtlichen Tanztempel verwandelt hatten, zeigt, wie beliebt der Raum war.

Das Sparpaket und die österreichi sehe Tradition zu Kompromißlösungen führte dazu, daß sowohl die Architektengruppe der Wettbewerbssieger als auch die Firma „Suter&Suter" mit der Sanierungsaufgabe betraut wurden. Das Ergebnis ist weder Fisch noch Fleisch. Dafür erfüllt es allerdings alle Auflagen des Bundesdenk-malamts, das sich in Wien bei heiklen Bauaufgaben als Bewahrer alter

Gemäuer verdient macht.

Immer noch betritt man das Gebäude von der Mariahilferstraße aus. Bevor man aber hineinfindet, ist eine Rampe in den Untergrund zu bewältigen. Die Kritik an der Eingangssituation eint selbst die konträrsten Architekten. Ein Gebäude über eine 1 Rampe, noch dazu bergab geführt, zu betreten, um dann im Inneren wieder hochzusteigen, erscheint auf dener-sten Blick keine gelungene Lösung. „Jeder, der schimpft, soll einmal eine bessere Alternative anbieten", zeigt sich Kabert als Verteidiger der Architekten. Sollte doch die Fassade von außen so wenig wie nur möglich beeinträchtigt werden.

Der erste Raum ist einer Garderobe, 'Toiletten und einem zentralen Versammlungsplatz vorbehalten. Dann geht's in einen unbeleuchteten, fensterlosen Bereich, der als Voreinstimmung auf das Museumsgeschehen dienen soll und für temporäre Ausstellungen vorgesehen ist. Eine Treppe in der Mitte, hollywoodmäßig mit Spots beleuchtet, führt in die Haupthalle, die jedoch von der 'Treppe aus nur als Lichtquelle erkennbar ist. „Das wird aber nicht so bleiben",

übt selbst Kabert Kritik an der Stiegenbeleuchtung, die strahlt wie eine Kabarettbühne. Dieses neue Untergeschoß bringt dem Museum etwa zusätzliche 1.500 Quadratmeter.

Steht 1nan schließlich in der ehemaligen Eingangshalle, eröffnet sich der Blick auf ein noch unverschmutz-tes Glasdach. Auch die Aufgänge auf die neu eingezogenen (jalerieebenen sind aus der Mitte des Saales kaum zu entdecken. Sie sind nämlich in den vier Raumecken recht verborgen angeordnet, über die alten Stiegenhäuser der historischen Bausubstanz erreichbar. Allerdings wird der Durchschnittsbesucher mit ziemlicher Sicherheit der Lichtführung über die achsiale Mitte folgen, und sie nur schwer finded.

Die Kuppeln wurden um etwa 12 Meter angehoben, um das Einziehen weiterer Geschosse zu ermöglichen. 3.000 Quadratmeter Ausstellungs fläche konnten dadurch dazugewon-nen werden. Wie die Baumstämme alter archaischer Urwälder ragen die Betonstützen, die die Galerien tragen, aus dem Boden, sternförmig und astähnlich führen Stahlbetonträger von ihnen weg, bedacht vom Galerieboden. Die erwartete Lichtfülle ist trotzdem nicht eingetreten, das Erleben eines Riesenraumes findet wegen der umlaufend angeordneten Galerien nicht mehr statt.

Leer, wie es sich momentan präsentiert, wirkt der von zwei Galerien etwas beschnittene Raum immer noch großzügig. Der Raumeindruck auf der Galerie selbst ist allerdings eigenartig. Trotz der Anhebung der Kuppel wirkt er gedrungen. Auch die frisch verputzten Wandbestände mit den Fensterlöchern befriedigen nicht. Der Gesamteindruck tendiert ins massiv plumpe. Dabei ist das Bemühen um Nachvollziehbarkeit durchaus ablesbar: So sind die alten Träger, die die Kuppel trugen, immer noch in ihrer Funktion erhalten. Die Galerieebenen tragen sich selbst, so wenig wie möglich wurde in die alte Bausubstanz eingegriffen.

Ob die Ausstellungsgegenstände und Konzepte die Architektur bereichern können, der Baum wieder etwas von seinem alten angerammelten Charme bekommt, ist zu bezweifeln. Spätestens bei der Eröffnung des Museums Anfang 1999 wird man es wissen.

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