salzburg als royale wahlheimat - © Franz Alt 1872 Aquarell über Bleistift/Papier, Residenzgalerie Salzburg
Ausstellung

Salzburg als royale Wahlheimat

1945 1960 1980 2000 2020

Ludwig Viktor, ein eher wenig bekannter Spross des Hauses Habsburg, steht aus Anlass seines 100. Todestages im Zentrum einer Ausstellung des DomQuartiers Salzburg. Der Lebensmittelpunkt des jüngsten Bruders von Franz Joseph I. war Schloss Kleßheim.

1945 1960 1980 2000 2020

Ludwig Viktor, ein eher wenig bekannter Spross des Hauses Habsburg, steht aus Anlass seines 100. Todestages im Zentrum einer Ausstellung des DomQuartiers Salzburg. Der Lebensmittelpunkt des jüngsten Bruders von Franz Joseph I. war Schloss Kleßheim.

Kaum zu glauben, aber wahr: eine antike chinesische Bodenvase als Schirmständer! Das auf 35.000 Euro geschätzte Stück fand sich solchermaßen zweckentfremdet in einem Büro der Salzburger Landesregierung. Zur Zeit kann man die Vase und noch andere Prachtstücke dieser Art sowie altes kostbares Porzellan in einer Ausstellung des DomQuartiers Salzburg in der Residenzgalerie sehen. Gewidmet ist die Schau Erzherzog Ludwig Viktor (1842–1919), dem jüngsten Bruder des Kaisers Franz Joseph, anlässlich seines 100. Todestags am 18. Jänner dieses Jahres. Zwar spricht man von diesem Erzherzog als Habsburger Enfant terrible, doch gibt es bis heute keine umfassende Biografie über ihn. Roswitha Juffinger, die ehemalige Direktorin der Residenzgalerie, tritt jedenfalls entschieden dem Gerücht entgegen, er sei, auch nicht wegen seiner Homosexualität, nach Salzburg „verbannt“ worden. Dass er mit Salzburg über das Schloss Kleßheim aufs engste verbunden ist, gab einen Anstoß, sich eingehender mit dem Leben Ludwig Viktors zu befassen.


Bonvivant und Kunstförderer

Von 1861 bis 1904 verfügte Ludwig Viktor in der Salzburger Residenz über ein Appartement, 1866 kaufte Franz Joseph aus seinem Privatvermögen das frühere erzbischöfliche Jagdschloss Kleßheim – Anfang des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Fischer von Erlach (1656–1723) erbaut – und schenkte es seinem jüngsten Bruder, damit dieser, abseits des Wiener Hofs, „nach seiner Fasson ungestört leben“ könne. Ludwig Viktor verbrachte ab dann seine Sommer auf Kleßheim.
Ab dem Alter von 20 Jahren verfügte er über eine jährliche Apanage von umgerechnet 1,2 Millionen Euro. Die steckte er nicht nur in die Feste auf seinem Schloss, sondern finanzierte auch den Bau der Volksschule Siezenheim, förderte die karitativen Vinzenz-Vereine, übernahm das Protektorat über das Museum Carolino Augusteum, beteiligte sich an der Errichtung des Künstlerhauses und tilgte auch einmal die Schulden des Kunstvereins. Da das Jagdschloss jedoch nicht zu beheizen war, ließ er sich von dem Wiener Architekten Heinrich von Ferstel auf seinem Areal ein Winterschloss bauen, das „Kavalierhaus“, das Adolf Hitler später umbaute.

Zwar spricht man von Erzherzog Ludwig Viktor als Habsburger Enfant terrible, doch gibt es bis heute keine umfassende Biografie über ihn.


In diesem Winterschloss starb der Erzherzog also am 18. Jänner 1919. Zu diesem 100. Todestag hat Roswitha Juffinger in jahrelanger detektivischer Kleinarbeit zu diesem Forschungs- und Ausstellungsprojekt zusammengesucht und zusammengetragen, was an Kunst, Bildern, Porzellan und Möbeln noch Ludwig Viktor zuzuordnen war und Eigentum von Stadt und Land Salzburg ist. Bis jetzt wurde auch noch nicht erhoben, wie viele Kunstwerke Ludwig Viktor durch Erbe zugefallen waren. Unter den Gegenständen, die er aus dem Nachlass von Albert Herzog von Sachsen-Teschen (1738-1822) bekam, befand sich „ein Aquarell von N. Köllisch, das Herzog Albert in vorgerücktem Alter mit zwei Hunden zeigt“, das einzige bisher identifizierte Objekt. Ludwig Viktor war zwei Monate nach dem Ende der Monarchie gestorben. Die Erben befanden sich in prekärer Lage und wollten daher Kleßheim und das Inventar so rasch wie möglich verkaufen. Ein Großteil der Kunstwerke wurde an einen Spanier, Don Evaristo Sanz Sagaseta, um eine Million Schweizer Franken verkauft, der diese zum großen Teil in Wien und New York versteigern ließ. In der New Yorker Auktion befand sich ein Frühstücksservice aus Frankenthaler Porzellan, ein Taufgeschenk des Kaisers, das Ludwig Viktor sein Leben lang in Ehren gehalten haben soll.
Es scheint, dass diese Ausstellung doch zu einer genaueren Biografie des Erzherzogs beitragen wird. Immerhin feiert das DomQuartier im Mai das fünfte Jahr seines Bestehens, dazu wird die Landessubvention auf 1,5 Mio. Euro erhöht, 250.000 Euro gibt es zur Projektentwicklung.

Kaum zu glauben, aber wahr: eine antike chinesische Bodenvase als Schirmständer! Das auf 35.000 Euro geschätzte Stück fand sich solchermaßen zweckentfremdet in einem Büro der Salzburger Landesregierung. Zur Zeit kann man die Vase und noch andere Prachtstücke dieser Art sowie altes kostbares Porzellan in einer Ausstellung des DomQuartiers Salzburg in der Residenzgalerie sehen. Gewidmet ist die Schau Erzherzog Ludwig Viktor (1842–1919), dem jüngsten Bruder des Kaisers Franz Joseph, anlässlich seines 100. Todestags am 18. Jänner dieses Jahres. Zwar spricht man von diesem Erzherzog als Habsburger Enfant terrible, doch gibt es bis heute keine umfassende Biografie über ihn. Roswitha Juffinger, die ehemalige Direktorin der Residenzgalerie, tritt jedenfalls entschieden dem Gerücht entgegen, er sei, auch nicht wegen seiner Homosexualität, nach Salzburg „verbannt“ worden. Dass er mit Salzburg über das Schloss Kleßheim aufs engste verbunden ist, gab einen Anstoß, sich eingehender mit dem Leben Ludwig Viktors zu befassen.


Bonvivant und Kunstförderer

Von 1861 bis 1904 verfügte Ludwig Viktor in der Salzburger Residenz über ein Appartement, 1866 kaufte Franz Joseph aus seinem Privatvermögen das frühere erzbischöfliche Jagdschloss Kleßheim – Anfang des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Fischer von Erlach (1656–1723) erbaut – und schenkte es seinem jüngsten Bruder, damit dieser, abseits des Wiener Hofs, „nach seiner Fasson ungestört leben“ könne. Ludwig Viktor verbrachte ab dann seine Sommer auf Kleßheim.
Ab dem Alter von 20 Jahren verfügte er über eine jährliche Apanage von umgerechnet 1,2 Millionen Euro. Die steckte er nicht nur in die Feste auf seinem Schloss, sondern finanzierte auch den Bau der Volksschule Siezenheim, förderte die karitativen Vinzenz-Vereine, übernahm das Protektorat über das Museum Carolino Augusteum, beteiligte sich an der Errichtung des Künstlerhauses und tilgte auch einmal die Schulden des Kunstvereins. Da das Jagdschloss jedoch nicht zu beheizen war, ließ er sich von dem Wiener Architekten Heinrich von Ferstel auf seinem Areal ein Winterschloss bauen, das „Kavalierhaus“, das Adolf Hitler später umbaute.

Zwar spricht man von Erzherzog Ludwig Viktor als Habsburger Enfant terrible, doch gibt es bis heute keine umfassende Biografie über ihn.


In diesem Winterschloss starb der Erzherzog also am 18. Jänner 1919. Zu diesem 100. Todestag hat Roswitha Juffinger in jahrelanger detektivischer Kleinarbeit zu diesem Forschungs- und Ausstellungsprojekt zusammengesucht und zusammengetragen, was an Kunst, Bildern, Porzellan und Möbeln noch Ludwig Viktor zuzuordnen war und Eigentum von Stadt und Land Salzburg ist. Bis jetzt wurde auch noch nicht erhoben, wie viele Kunstwerke Ludwig Viktor durch Erbe zugefallen waren. Unter den Gegenständen, die er aus dem Nachlass von Albert Herzog von Sachsen-Teschen (1738-1822) bekam, befand sich „ein Aquarell von N. Köllisch, das Herzog Albert in vorgerücktem Alter mit zwei Hunden zeigt“, das einzige bisher identifizierte Objekt. Ludwig Viktor war zwei Monate nach dem Ende der Monarchie gestorben. Die Erben befanden sich in prekärer Lage und wollten daher Kleßheim und das Inventar so rasch wie möglich verkaufen. Ein Großteil der Kunstwerke wurde an einen Spanier, Don Evaristo Sanz Sagaseta, um eine Million Schweizer Franken verkauft, der diese zum großen Teil in Wien und New York versteigern ließ. In der New Yorker Auktion befand sich ein Frühstücksservice aus Frankenthaler Porzellan, ein Taufgeschenk des Kaisers, das Ludwig Viktor sein Leben lang in Ehren gehalten haben soll.
Es scheint, dass diese Ausstellung doch zu einer genaueren Biografie des Erzherzogs beitragen wird. Immerhin feiert das DomQuartier im Mai das fünfte Jahr seines Bestehens, dazu wird die Landessubvention auf 1,5 Mio. Euro erhöht, 250.000 Euro gibt es zur Projektentwicklung.

Erzherzog Ludwig Viktor

DomQuartier Salzburg, bis 14. Juli 2019 tägl. 10–17 Uhr, Di geschlossen