Porträt einer jungen Frau in Flammen - © Foto: Filmladen
Kritik

Cherchez les femmes – um der Liebe willen

1945 1960 1980 2000 2020

Otto Friedrich über "Porträt einer jungen Frau in Flammen" von Céline Sciamma

1945 1960 1980 2000 2020

Otto Friedrich über "Porträt einer jungen Frau in Flammen" von Céline Sciamma

Dass der Name Héloïse in Richtung einer geheimen Liebe deutet, ist ob der tragischen Geschichte der mittelalterlichen Namensträgerin klar. In Céline Sciammas exzeptionellem Drama „Porträt einer Frau in Flammen“ ist Héloïse die Tochter einer verwitweten Landadligen auf einer Insel in der Bretagne im 18. Jahrhundert. Sie wird von der Mutter aus dem Klos ter zurückgeholt, weil ihre Schwester Selbstmord begangen hat und die verarmte Herzogin die andere Tochter an einen vermögenden Freier in Mailand verheiraten will. Um die Bräutigamschau erfolgreich zu gestalten, muss ein Porträt von Héloïse her – das ist nicht einfach zu bewerkstelligen, weil Fräulein Tochter partout keinen Unbekannten ehelichen will.

Der erste engagierte Maler scheitert, der zweite Anlauf mit der jungen Malerin Marianne braucht einige Zeit, um in die Gänge zu kommen. Auch das erste Porträt von der Hand Mariannes endet im Feuer. Aber als die Herzogin für einige Tage verreist, kann nicht nur das Bild entstehen, sondern auch etwas Verbotenes, aber umso Leidenschaftlicheres keimen. Sonnendurchflutet und farblich ganz an den Gewohnheiten jener Zeit ausgerichtet, gestaltet Sciamma ihren Film, auch mit einer Langsamkeit, die ihresgleichen sucht und zugleich völlig in den Bann zieht. Adèle Haenel als Héloïse und Noémie Merlant spielen dieses Paar mit einer Intensität, die kaum zu überbieten ist. Im Verein mit den zwei anderen Frauen, Zofe Sophie (Luàna Bajrami) und Valeria Golino als Herzogin, gestalten sie dieses Erlebnis von einem Film.

Zum Interview mit Regisseurin Céline Sciamma