Moffie - Männerliebe ist in keiner Armee der Welt geachtet – unter den Schindern der südafrikanischen Apartheidtruppen 1981 war das noch verschärft. - © Rainer Messerklinger

Apartheit: "Moffie" - Unter Männern leben

1945 1960 1980 2000 2020

Oliver Hermanus` Kriegsparabel „Moffie“ setzt sich nicht nur mit unmenschlichen Mechanismen der Apartheid-Armee auseinander, sondern auch mit der Diskriminierung Homosexueller.

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Oliver Hermanus` Kriegsparabel „Moffie“ setzt sich nicht nur mit unmenschlichen Mechanismen der Apartheid-Armee auseinander, sondern auch mit der Diskriminierung Homosexueller.

Das eine ist das Trauma des ungerechten Krieges: Was für die US-Zeitgeschichte der Vietnamkrieg war und ist (und auch die filmische Aufarbeitung desselben), ist für Südafrika die Apartheid und die damit verbundenen militärischen Auseinandersetzungen: Junge weiße Männer wurden militärisch gedrillt, an Kriegsschauplätze wie Angola geschickt, um das Apartheid-System aufrechtzuerhalten und den Kommunismus, der jenseits der Grenze in der ehemaligen portugiesischen Kolonie siegreich war, am Überschwappen ins Land der Afrikaaner zu hindern.

Man fühlt sich in der epischen Schilderung der unmenschlichen Ausbildung zum Grenzsoldaten in Oliver Hermanus Spielfilm „Moffie“ unweigerlich an Stanley Kubricks Vietnamkriegsparabel „Full Metal Jacket“ (1987) erinnert: Für eine größere Sache müssen die – genauer: die jungen – Männer klein gemacht werden. Zwei Jahre presste Südafrika diese weißen Männer in die Armee. 1981 spielt der Film, eine Dekade später wird die Apartheid Geschichte sein.

„Ehrlich gesagt habe ich mir über die Probleme weißer Südafrikaner nie viel Gedanken gemacht. Angesichts der Mühen und Kämpfe meiner farbigen Eltern und der Menschen vor ihnen glaubte ich, dass alle weißen Menschen in Südafrika ein gutes Leben führten.“ So schreibt Regisseur Hermanus über seinen bislang letzten Spielfilm: „Zum größten Teil stimmt das auch. Das System bevorzugte sie, es war durch und durch unfair und unverzeihlich. Deshalb machte ich mir in den Achtzigerjahren nie Gedanken über weiße schwule Jugendliche, ich hielt sie nicht für Feinde des Staates. Dieser Film handelt von einem solchen Jugendlichen. Weiß, achtzehn Jahre alt und auf dem Weg in die Illegalität.“

Das eine ist das Trauma des ungerechten Krieges: Was für die US-Zeitgeschichte der Vietnamkrieg war und ist (und auch die filmische Aufarbeitung desselben), ist für Südafrika die Apartheid und die damit verbundenen militärischen Auseinandersetzungen: Junge weiße Männer wurden militärisch gedrillt, an Kriegsschauplätze wie Angola geschickt, um das Apartheid-System aufrechtzuerhalten und den Kommunismus, der jenseits der Grenze in der ehemaligen portugiesischen Kolonie siegreich war, am Überschwappen ins Land der Afrikaaner zu hindern.

Man fühlt sich in der epischen Schilderung der unmenschlichen Ausbildung zum Grenzsoldaten in Oliver Hermanus Spielfilm „Moffie“ unweigerlich an Stanley Kubricks Vietnamkriegsparabel „Full Metal Jacket“ (1987) erinnert: Für eine größere Sache müssen die – genauer: die jungen – Männer klein gemacht werden. Zwei Jahre presste Südafrika diese weißen Männer in die Armee. 1981 spielt der Film, eine Dekade später wird die Apartheid Geschichte sein.

„Ehrlich gesagt habe ich mir über die Probleme weißer Südafrikaner nie viel Gedanken gemacht. Angesichts der Mühen und Kämpfe meiner farbigen Eltern und der Menschen vor ihnen glaubte ich, dass alle weißen Menschen in Südafrika ein gutes Leben führten.“ So schreibt Regisseur Hermanus über seinen bislang letzten Spielfilm: „Zum größten Teil stimmt das auch. Das System bevorzugte sie, es war durch und durch unfair und unverzeihlich. Deshalb machte ich mir in den Achtzigerjahren nie Gedanken über weiße schwule Jugendliche, ich hielt sie nicht für Feinde des Staates. Dieser Film handelt von einem solchen Jugendlichen. Weiß, achtzehn Jahre alt und auf dem Weg in die Illegalität.“

‚Moffie‘ – das Drama der Menschwerdung eines jungen Mannes, der die politische, aber auch die gesellschaftliche Ungerechtigkeit erleben und erleiden muss.

Oliver Hermanus ist hierzulande kaum bekannt, aber sein Film „Moffie“zeigt ihn als eine der großen zeitgenössischen Filmemacher. Die Geschichte des 18-jährigen Nicholas Van der Swart porträtiert einen vermeintlich Privilegierten, der aber nicht minder unter die Räder kommt wie die Farbigen und Schwarzen jener Zeit.

Denn – trotz des burischen Nachnamens – ist Nicholas ein „Engländer“, also einer, der den sich als Herrenmenschen gerierenden Afrikaanern von vornherein als Weichei gilt. Und Nicholas ist schwul – ein „Moffie“: Mit dem Schimpfwort werden die Homosexuellen in diesem Milieu niedergemacht. Nicht nur die Demütigungen der Ausbildung, sondern das Verschweigen der eigenen Sexualität bestimmen den Leidensweg dieses jungen Mannes. Ein traumatisches Kindheitserlebnis, das im Film in einer Rückblende erzählt wird, veranlasst Nicholas, seine Veranlagung immer und überall zu verstecken.

Das Drama der Menschwerdung eines jungen Mannes, der die politische aber auch die gesellschaftliche Ungerechtigkeit erleben und erleiden muss, ist „Moffie“, dem Film, gelungen: Eine Beziehung, die sich da anbahnt, wird brutal gebrochen. Der neue Freund verkommt in einer psychiatrischen Anstalt, wohin „Irre“, als die Schwule gelten, zu stecken sind.

Dem jungen Kai Luke Brummer gelingt die Darstellung des Nicholas authentisch, und Hermanus erzählt von einer schweren Zeit, aber auch über diese Zeit hinaus: Denn Schwule sind bis heute in den Armeen der Welt alles andere als wohlgelitten. Nicholas beginnt seinen Weg zu finden – aber wie wird das ausgehen? Dazu bietet „Moffie“ keine eindeutige Lösung an. Auch dies zählt zu den Stärken dieses eindringlichen und eindrücklichen Films.

Moffie - Moffie RSA 2019. Regie: Oliver Hermanus.  - © Rainer Messerklinger
© Rainer Messerklinger
Film

Moffie - Kriegsparabel

RSA 2019.
Regie: Oliver Hermanus.
Mit Kai Luke Brummer, Ryan de Villiers, Matthew Vey, Hilton Pelser.
Waystone/Salzgeber.
103 Min.

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