smith - © Foto: Constantin
Film

Assassinen und Klone

1945 1960 1980 2000 2020

Identität sabotiert Individualität: Nach jahrelangem Hin und Her kommt nun „Gemini Man“ unter der Regie von Ang Lee und mit Will Smith in der Hauptrolle in die Kinos.

1945 1960 1980 2000 2020

Identität sabotiert Individualität: Nach jahrelangem Hin und Her kommt nun „Gemini Man“ unter der Regie von Ang Lee und mit Will Smith in der Hauptrolle in die Kinos.

Zwar floriert in Intellektuellenkreisen der Identitätsdiskurs – auf der popkulturellen Ebene freilich fischt „Gemini Man“ von Ang Lee mit Will Smith in der Haupt- bzw. Doppelrolle aber im Trüben. Will Smith in der Hauptrolle (und das sogar doppelt) und Ang Lee (2003: „Hulk“; 2005: „Oscar“ für „Brokeback Mountain“) im Regie- sowie Jerry Bruckheimer im Produzentenstuhl, außerdem David Benioff als Drehbuchautor, der in der Internet Movie Database mit 73 Episoden „Game of Thrones“ gelistet ist: Eigentlich hätte bei „Gemini Man“ nichts schiefgehen dürfen – „Action mit Tiefgang“ war an und für sich keine schlechte Idee.

Zudem hat man auf das Format 3Dplus gesetzt – das Motion-Smoothing-Verfahren (künstliches Hochdrehen auf die Bildfrequenz von 120 Bildern/Sekunde, während klassisches Kino mit 24 Frames auskommt) führt aber unweigerlich zum notorischen Soap-Opera-Effekt: Besonders plastisch sieht dieser Actionthriller daher nicht aus, eher verwischt – wie viele Videospiele. Worum gehtʼs aber in „Gemini Man“? 72! Diese Zahl murmelt Henry Brogan (Will Smith) im Gespräch mit seinem Vorgesetzten von der Defense Intelligence Agency (DIA), der ihn mit den schwierigsten Tötungsmissionen beauftragt. So sieht man in der Eingangsszene, wie der Sniper sein Ziel (einen vermeintlichen Terroristen) in einem fahrenden Zug aus zwei Kilometer Entfernung exekutiert.

Der geplante Ruhestand wird dem 51-jährigen Brogan allerdings vermiest, weil auch Clay Verris (Clive Owen), Direktor einer anderen Regierungsbehörde, seinerseits einen Assassinen auf den Profikiller ansetzt. Die Crux: Dieser Auftragsmörder, „Junior“, sieht wie der 23-jährige Sohn von Will Smith aus – wurde tatsächlich aber computergeneriert.

Zwar floriert in Intellektuellenkreisen der Identitätsdiskurs – auf der popkulturellen Ebene freilich fischt „Gemini Man“ von Ang Lee mit Will Smith in der Haupt- bzw. Doppelrolle aber im Trüben. Will Smith in der Hauptrolle (und das sogar doppelt) und Ang Lee (2003: „Hulk“; 2005: „Oscar“ für „Brokeback Mountain“) im Regie- sowie Jerry Bruckheimer im Produzentenstuhl, außerdem David Benioff als Drehbuchautor, der in der Internet Movie Database mit 73 Episoden „Game of Thrones“ gelistet ist: Eigentlich hätte bei „Gemini Man“ nichts schiefgehen dürfen – „Action mit Tiefgang“ war an und für sich keine schlechte Idee.

Zudem hat man auf das Format 3Dplus gesetzt – das Motion-Smoothing-Verfahren (künstliches Hochdrehen auf die Bildfrequenz von 120 Bildern/Sekunde, während klassisches Kino mit 24 Frames auskommt) führt aber unweigerlich zum notorischen Soap-Opera-Effekt: Besonders plastisch sieht dieser Actionthriller daher nicht aus, eher verwischt – wie viele Videospiele. Worum gehtʼs aber in „Gemini Man“? 72! Diese Zahl murmelt Henry Brogan (Will Smith) im Gespräch mit seinem Vorgesetzten von der Defense Intelligence Agency (DIA), der ihn mit den schwierigsten Tötungsmissionen beauftragt. So sieht man in der Eingangsszene, wie der Sniper sein Ziel (einen vermeintlichen Terroristen) in einem fahrenden Zug aus zwei Kilometer Entfernung exekutiert.

Der geplante Ruhestand wird dem 51-jährigen Brogan allerdings vermiest, weil auch Clay Verris (Clive Owen), Direktor einer anderen Regierungsbehörde, seinerseits einen Assassinen auf den Profikiller ansetzt. Die Crux: Dieser Auftragsmörder, „Junior“, sieht wie der 23-jährige Sohn von Will Smith aus – wurde tatsächlich aber computergeneriert.

Nach unzähligen Verschiebungen und etlichen Regisseurs- und Schauspielerwechseln stemmte endlich Paramount die Geschichte.

Bei einer wahrlich spektakulären Motorrad-Verfolgungsjagd in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena treffen sie erstmals aufeinander. Brogan bestreitet seine Flucht vor seinen Häschern rund um den Erdball: Von der Seite weichen ihm dabei nicht sein Sidekick, die zähe DIA-Agentin Danny Zakarweski (Mary Elizabeth Winstead), und sein alter Flieger-Ass-Kumpel Baron (Benedict Wong). Was sie zwischen Budapests Thermen und Katakomben bis hin zum Showdown in einem US-amerikanischen Kaff in Georgia (Halt!, da taucht ja noch ein Killer-Klon auf) aufdecken, ist die Geheimverschwörung Gemini – einst wurde Brogan Blut abgezapft, um aus den Stammzellen Klon-Krieger heranzuzüchten.

Richard David Prechts Buchtitel „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ fällt einem da ein. Begegnete man seinem (jüngeren) Ebenbild, stellten sich naturgemäß Fragen nach der Identität. Diesfalls wird aber nur im Seichten gefischt, jeglicher philosophischer Tiefgang unterbleibt („Face/Off“ von John Woo aus dem Jahr 1997 thematisierte den Tausch von Identitäten vergleichsweise furios). Am Schluss gehen Junior und die junge DIA-Agentin brav ins College – und Brogan tritt hoffentlich den ersehnten Ruhestand an.

Vor mehr als 20 Jahren erwarb Walt Disney die Rechte am Stoff, konnte die Story mangels technischer Möglichkeiten aber nicht drehfertig machen. Nach unzähligen Verschiebungen und etlichen Regisseurs- (Tony Scott, Curtis Hanson) und Schauspielerwechseln (vorgesehen waren etwa Harrison Ford, Mel Gibson, Nicolas Cage, Clint Eastwood und Sean Connery) stemmte endlich Paramount die Geschichte.

Das Schlusswort gebührt dem am 1. Oktober verstorbenen legendären österreichisch-amerikanischen Filmproduzenten und langjährigen Viennale-Ehrenpräsidenten Eric Pleskow – sein Credo war: „Aus einem schlechten Stoff lässt sich kein guter Film machen.“

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Film

Gemini Man

USA 2019. Regie: Ang Lee. Mit Will Smith,
Mary Elizabeth Winstead.
Constantin. 117 Min.