Bitte warten - © Filmgarten

"Bitte warten": Alles Leben ist Telekommunikation

1945 1960 1980 2000 2020

In seinem Dokumentarfilm „Bitte warten“ gelingt es Pavel Cuzuioc auf ungewöhnliche und ungewöhnlich humorvolle Weise von den (süd)östlichen Lebenswelten filmisch zu erzählen. Selten sind Lebenswelten, die geografisch gar nicht so fern sind, im Kino so nahe gekommen.

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In seinem Dokumentarfilm „Bitte warten“ gelingt es Pavel Cuzuioc auf ungewöhnliche und ungewöhnlich humorvolle Weise von den (süd)östlichen Lebenswelten filmisch zu erzählen. Selten sind Lebenswelten, die geografisch gar nicht so fern sind, im Kino so nahe gekommen.

Der Kosmos in den Ländern (süd)östlich von Österreich wird hierzulande oft gar wenig wahrgenommen. Und das, obwohl etwa über Arbeitsmigration (nicht zuletzt im Pflegebereich) Menschen aus diesen Ländern in Österreich leben. Pavel Cuzuioc, in Chișinău, Republik Moldau, geboren, ist so einer. 2000 kam er nach Wien und studierte hier an der Filmakademie. In seinem Dokumentarfilm „Bitte warten“ gelingt es ihm auf ungewöhnliche und ungewöhnlich humorvolle Weise von den (süd)östlichen Lebenswelten filmisch zu erzählen.

„Bitte warten“, die Telefonstimme in der Leitung ist allbekannt und gleichzeitig ein Chiffre für die Lebensrealität im 21. Jahrhundert. Und es ist das Feld der Telekommunikationsarbeit, das Cuzuioc in vier Ländern – Rumänien, Moldau, Ukraine, Bulgarien – filmisch beleuchtet: Er begleitet sechs Fernmelde-, TV- und Internettechniker auf Reisen in abgelegene Orte und filmt den lebensweltlichen Kontrast in ärmlichen ökonomischen Umständen – Tablet, Smartphone und Satellitenfernsehen sind jedoch auch in der Einschicht präsent. Und postsowjetische Tristesse ist immer noch mit Händen zu greifen. Das kann auch sehr kurzweilig sein.

Cuzuioc lässt seine Protagonist(inn)en reden, neben den Technikern auch Kundinnen, etwa alte Frauen, deren Fernseher ausgefallen ist, oder einen rumänischen Popen, der eine schlichte Küchentischtheologie zum Besten gibt (der Johannes-Prolog „Im Anfang war das Wort“ taugt ihm zum Beweis für die Göttlichkeit der Kommunikation(stechnologien), sodass es ebenso rührend wie komisch wird. „Bitte warten“ beobachtet, ein stiller wie tiefgründiger Film. Selten sind Lebenswelten, die geografisch gar nicht so fern sind, im Kino so nahe gekommen.

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