Fieber
Film

"Das Fieber": Die Krankheit und Geschäftsinteressen

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Zu den Kollateralschäden von Covid-19 gehört, dass der Kampf gegen andere Krankheiten hintangestellt wurde. Medial kommen sie derzeit nur vor, wenn etwa ein altes Malaria-Medikament fälschlicherweise als Wundermittel gegen Corona gepriesen wird. Mit Donald Trump vereint die Österreicherin Katharina Weingartner („Sneaker Stories“) denkbar wenig, und wenn in ihrem Dokumentarfilm „Das Fieber“ die Gates Foundation, Big Pharma und die Weltgesundheitsorganisation kritisiert werden, dann sind die Gründe anders gelagert.

Erst im Oktober 2019 bekräftigte die WHO ihren Standpunkt, dass Malaria medikamentös behandelt werden solle, und sprach sich gegen die Verwendung pflanzlicher Mittel zur Therapie oder Vorbeugung aus. Weingartner sieht dies in einem Geflecht wirtschaftlicher Interessen. Vor Ort im Afrika südlich der Sahara zeigt sie die gesellschaftlichen Auswirkungen der Krankheit wie auch eine dunkle Geschichte ihrer Bekämpfung.

Sie begleitet lokale Forscher und Heilkundler, die allen Hindernissen zum Trotz ein traditionelles Heilmittel, den Einjährigen Beifuß, propagieren. Bewusst entscheidet sie sich, dicht an den Betroffenen zu bleiben und die Gegenseite nur in Gestalt ihrer Automaten und Fassaden vorkommen zu lassen. „Das Fieber“ stapelt auf diese Weise eine aufrüttelnde Zahl von Anklagepunkten und Indizien: gegen ein neokoloniales System, das sich als gemeinnützig rühmt, jedoch im Dienste globaler „Wohltäter“ und Konzerne steht.

Der Autor ist Filmkritiker.