Das_letzte_Geschenk - © Polyfilm

„Das letzte Geschenk“: Ein gar nicht „sympathischer“ Überlebender

1945 1960 1980 2000 2020

Im Schoa-Überlebenden Abraham, dem Protagisten in Pablo Solarzʼ Film, haben sich über Jahrzehnte Hass und Wut angestaut.

1945 1960 1980 2000 2020

Im Schoa-Überlebenden Abraham, dem Protagisten in Pablo Solarzʼ Film, haben sich über Jahrzehnte Hass und Wut angestaut.

Wohlhabend, mürrisch, stur ist der 90-jährige Abraham Bursztein (Miguel Ángel Solá) – kein sympathischer Typ, was ihn als Holocaust-Überlebenden im Film „Das letzte Geschenk“ von Pablo Solarz sehr offensichtlich kalkuliert „interessanter“ erscheinen lassen soll als den „übereingekommenen“ Topos des „emigrierten Juden“ in einem „Erinnerungsfilm“. „Darf“ man solche Begriffe verwenden, um über Arbeiten zu sprechen, die sich mit den Traumata durch den Holocaust auseinandersetzen? Welche Überlegungen „dürfen Filmemacher in diesem Zusammenhang anstellen? Wie kann man von jener Zeit erzählen und damit weiter jede Generation erreichen? Womöglich sind das die interessantesten Anstöße, die Solarzʼ Film zu bieten hat.

Die Geschichte um Abraham, der aus Argentinien „flüchtet“, als ihn seine Töchter wegen seines kaputten Beines ins Seniorenheim stecken wollen, schleppt sich über vorhersehbare Stationen, durch völlig erratische Referenzen auf „König Lear“, gekünstelte, belanglose Dialoge – unablässig begleitet von aufdringlich eingesetzter Klezmer-Musik.

Abraham setzt sich kurzerhand nach Madrid ab, von wo er nach Polen weiterreisen möchte, um dort einem Freund das titelgebende letzte Geschenk zu machen. Einmal kommt es zu einer interessanten, ambivalenten Szene, als ihm eine deutsche Studentin dabei hilft, seine Reise fortzusetzen, ohne „je wieder“ deutschen Boden betreten zu müssen, und ihm dafür Kleidungsstücke auf den Boden legt, über die er dann gehen kann. Übergriffige Empathie als ein unleugbarer Aspekt einer zweischneidigen (hier: deutschen) Erinnerungskultur und gleichzeitig eine zynisch eingenommene Position der Rückbesinnung seitens Abrahams.

Dass auch, gerade und nicht nur ein Schoa-Überlebender über die Jahrzehnte Hass und Wut und Ärger angestaut hat, ist der essenzielle und kathartische Aspekt an der Figur Abraham. Der Film hilft zumindest ihm, (s)eine Reise zu machen.

Die Autorin ist Filmkritikerin.

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