01 - © Park Circus/Universal

"David Byrne’s American Utopia": Mitreißend wie die Performance

1945 1960 1980 2000 2020

Der Film ist der Mitschnitt einer grandiosen Perfomance mit einer exzeptionellen Compagnie, angeführt von Altmeister David Byrne.

1945 1960 1980 2000 2020

Der Film ist der Mitschnitt einer grandiosen Perfomance mit einer exzeptionellen Compagnie, angeführt von Altmeister David Byrne.

Es dürfte kaum einen geeigneteren, mitreißenderen Film geben als „David Byrne’s American Utopia“, um nach dem monatelangen Kino-Lockdown wieder die Lichtspieltheater des Landes dem Publikum zu öffnen. Und es macht Sinn, dafür einen Film, der Theater im cineastischen Theatersaal lebendig werden lässt, zu wählen. Elf Sänger(innen), Musiker(innen), Tänzer(innen) und Performer(innen) hat Talking-Head-Legende David Byrne im New Yorker Hudson Theatre versammelt, um in seiner Broadway-Show „American Utopia“ einen betörenden wie aktuellen Bogen über soziale Gerechtigkeit, politische Probleme und Beziehungen nicht nur, aber gerade im damaligen Trump-Land aufzuspannen.

Barfüßig in grauen Straßenanzügen vor ebenso gefärbter Bühnendekoration singen, trommeln, tanzen und spielen diese Tausendsassas der Performing Arts. Nicht zuletzt die physische Performance von Mastermind David Byrne, der zur Produktionszeit immerhin schon 68 Lenze zählte, ist bestechend. Von Oktober 2019 bis Februar 2020 trat diese Truppe auf, und nun kommt dieses einmalige Film-, Tanz- und Musikereignis auch hierzulande ins Kino. Im Vorjahr hat „American Utopia“ das „Toronto Film Festival“ eröffnet, der Mitschnitt der Performance wurde mit einem Grammy geadelt.

Dass „David Byrne’s American Utopia“ aber auch als Film eine Extraklasse darstellt, ist dem Regisseur zu danken, der Byrnes Musik und Theatralik kongenial umsetzt; Spike Lee, der als Dokumentarfilmer bislang kaum in Erscheinung getreten ist, erweist sich hier in seinem Element. Lee spielt mit dem Wechsel von Perspektiven auf die Bühne und aus der Bühne heraus, er schwelgt in Totalen von oben ebenso wie in Großaufnahmen der Protagonist(inn)en – und gibt dem Rhythmus dieser Performance den ihr gebührenden Platz. Einfach grandios.

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