Zwischen den Zeilen - Selena (Juliette Binoche) ist der Star einer Action-TV-Serie. Alain (Guillaume Canet) leitet einen renommierten Verlag. Nicht nur um dieses Traditionsunternehmen wird in „Zwischen den Zeilen“ gekämpft. - © Thimfilm/Alamode
Film

Den Lifestyle von anno 2019 gallig auf den Tisch gelegt

1945 1960 1980 2000 2020
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Konversation ist alles, und doch kann dabei nichts gesagt werden. Zumindest deswegen passt „Zwischen den Zeilen“ als Titel für Olivier Assayas’ neuen Film, denn schon in der ersten Szene geht es ans Eingemachte – aber der Betroffene merkt das nicht (der Zuschauer natürlich schon): Verleger Alain (Guillaume Canet) trifft sich mit seinem Autor Léonard (Vincent Macaigne) zum Arbeitsessen, und die beiden Herren parlieren über die Veränderungen auf dem Buchmarkt und die Schwierigkeiten, heute einen Verlag zu führen.
Léonard möchte auch herausfinden, was Alain, sein Verleger, über sein neues­tes Manuskript denkt. Nur Gutes, versichert ihm der Buchproduzent, aber erst beim Hinausgehen, als der Schriftsteller den Verleger direkt fragt, wann er das Buch veröffentlichen wird, redet Letzterer Tacheles.
Allein die Eingangssequenz dieses Kammerspiels spannt die Fläche aus, auf der die Protagonisten mitunter arg ausrutschen. Alains Gesponsin Selena (Juliette Binoche), die in einer TV-Action-Serie eine Art Kommissarin darstellt, hat beziehungsmäßig ebenso dunkle Geheimnisse wie ihr Mann. Und Schriftsteller Léonard ist (berufsbedingt?) ein Schwerenöter, was auch seine Beziehung mit Valerie (Nora Hamzawi) verkompliziert. Mit „Double Vies“ (übersetzt: „Die Doppelleben“) bringt der französische Originaltitel die Problemlage auf den Punkt

Konversation ist alles, und doch kann dabei nichts gesagt werden. Zumindest deswegen passt „Zwischen den Zeilen“ als Titel für Olivier Assayas’ neuen Film, denn schon in der ersten Szene geht es ans Eingemachte – aber der Betroffene merkt das nicht (der Zuschauer natürlich schon): Verleger Alain (Guillaume Canet) trifft sich mit seinem Autor Léonard (Vincent Macaigne) zum Arbeitsessen, und die beiden Herren parlieren über die Veränderungen auf dem Buchmarkt und die Schwierigkeiten, heute einen Verlag zu führen.
Léonard möchte auch herausfinden, was Alain, sein Verleger, über sein neues­tes Manuskript denkt. Nur Gutes, versichert ihm der Buchproduzent, aber erst beim Hinausgehen, als der Schriftsteller den Verleger direkt fragt, wann er das Buch veröffentlichen wird, redet Letzterer Tacheles.
Allein die Eingangssequenz dieses Kammerspiels spannt die Fläche aus, auf der die Protagonisten mitunter arg ausrutschen. Alains Gesponsin Selena (Juliette Binoche), die in einer TV-Action-Serie eine Art Kommissarin darstellt, hat beziehungsmäßig ebenso dunkle Geheimnisse wie ihr Mann. Und Schriftsteller Léonard ist (berufsbedingt?) ein Schwerenöter, was auch seine Beziehung mit Valerie (Nora Hamzawi) verkompliziert. Mit „Double Vies“ (übersetzt: „Die Doppelleben“) bringt der französische Originaltitel die Problemlage auf den Punkt

Leicht kommt diese scheinbare Konversationskomödie daher. Aber bei genauerem Hinschauen tun sich Abgründe auf.

Aber weil wir nicht im Zeitalter der Blutrache leben, enthält sich „Zwischen den Zeilen“ jedwedem Zeter und Mordio. Die Protagonisten mühen sich mitunter gar um Wahrheit, wenn auch nur um ein wenig.
Leicht kommt diese scheinbare Konversationskomödie daher. Aber bei genauerem Hinschauen tun sich Abgründe auf. Léonard, der Literat, behauptet zwar, seine Romanfiguren seien Fiktion, in Wirklichkeit kühlt der famose Herr Dichter sein Mütchen an all den Verflossenen, die seinen Weg säumen.
Lug und Trug also, wohin das Auge schaut, und die unappetitlichen Seiten der digitalen Welt tun ihr Übriges: Sind die Realitäten in dieser Welt- und Beziehungslage schon schwer auszumachen, so wird es immer schwieriger, das Virtuelle vom Realen zu unterscheiden.
Aber das ist heutzutage ja auch im echten Leben so – und von daher gelingt es Olivier Assayas einmal mehr (nach seinem letzten Film „Personal Shopper“, 2016), die moderne Medienwelt darzustellen und aufs Korn zu nehmen. Die Darstellerinnen und Darsteller sind rollengerecht ausgesucht, aber was konnte man von dieser Riege rund um Juliette Binoche anderes erwarten, als dass sie den Lifestyle anno 2019 gallig auf den Tisch legt?

Film

Zwischen den Zeilen (Doubles Vies)

F 2019. Regie: Olivier Assayas. Mit Guillaume Canet, Juliette Binoche, Vincent Macaigne, Nora Hamzawi. Christa Théret. Thimfilm/Alamode. 107 Min.