AliceSchwarzer. - © Foto: Cristina Perincioli

Die Person hinter der Figur – „Alice Schwarzer“

1945 1960 1980 2000 2020

In Sabine Derflingers Porträtfilm wird die durchaus humorvolle, weniger dominante Alice Schwarzer sichtbar.

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In Sabine Derflingers Porträtfilm wird die durchaus humorvolle, weniger dominante Alice Schwarzer sichtbar.

Es gibt Zeitgenossinnen, deren Berufung ist, anzuecken. Geradezu der Prototyp derartiger Gestalt scheint Alice Schwarzer zu sein, die es auch auf ihre doch schon älteren Tage nicht lassen kann: Die 79-Jährige begab sich mit ihrem offenen Brief an Olaf Scholz auf, sagen wir, sehr dünnes Eis – und kommt fast im Lager der Putin-Versteherinnen an. Diesbezüglich findet sie sich gar in Gesellschaft des Papstes, der aus ähnlichen Gründen kritisiert wird. Ein Treppenwitz der Geschichte, war es doch Schwarzer, die als Kämpferin für die Freigabe der Abtreibung das Feindbild für traditionelle Katholik(inn)en und die Hierarchie war.

Sabine Derflingers Porträtfilm „Alice Schwarzer“ war natürlich lang vor den jüngsten Kalamitäten der Protagonistin fertig. Aber das macht nichts, auch wenn Schwarzer hierzulande rund um die Filmpremieren ihre doch angreifbare Ukraine-Kriegs-Sicht in Interviews zum Besten gab. Einmal mehr wurde hier eine öffentliche Person sichtbar, die mit der realen Alice Schwarzer vielleicht einiges gemeinsam hat, die aber nicht deckungsgleich ist: Das lässt sich auch an anderen Kontroversen festmachen – von der Debatte mit Esther Vilar angefangen (mit der auch der Film beginnt) bis zur Parteinahme gegen den gefallenen ARD-Wetterfrosch Jörg Kachelmann, wo sich Schwarzer auch ins Bett der Bild-Zeitung legte. Derflinger gelingt es, etwas von der Person hinter der Figur sichtbar zu machen – eine durchaus Humorvolle, die gar wenig von der Domina(nten) an sich hat, als die Alice Schwarzer medial „rüberkommt“.

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