The Kindness of Strangers - © Foto: Thimfilm/Alamode

Die Rettung der einsamen Herzen

1945 1960 1980 2000 2020

Matthias Greuling über den Film "Die Rettung der einsamen Herzen" von Lone Scherfig

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Matthias Greuling über den Film "Die Rettung der einsamen Herzen" von Lone Scherfig

Wenn es kalt wird in New York, dann schlägt der Winter mit seiner ganzen sozialen Härte zu, dass einem das Blut in den Adern gefrieren könnte. Die dänische Regisseurin Lone Scherfig hat ein Gegenmittel: „The Kindness of Strangers – Kleine Wunder unter Fremden“ ist die Genese eines neuen Filmgenres: Eine sozial gerechte romantische Komödie, so könnte man dieses Genre nennen. Ein guter Film für gute Menschen, der gut in die Zeit passt, denn soziale Kälte gibt es in den USA seit Donald Trump an jeder Ecke.

Lone Scherfig, einst Weggefährtin der dänischen Dogma-Bewegung, widmet ihren ersten amerikanischen Film also der sozialen Wärme; die Handlung kreist um vier Personen, die in totale Lebenskrisen stecken: Die junge Mutter Clara (Zoe Kazan) flüchtet vor ihrem gewalttätigen Mann, einem Polizisten, und geht mit den zwei Söhnen nach New York, wo sie im Auto lebt. Das wird allerdings beschlagnahmt, und so landet das Trio auf der Straße. Die schüchterne Krankenschwester Alice (Andrea Riseborough) arbeitet in der Notaufnahme, der kürzlich aus dem Gefängnis entlassene Marc (Tahar Rahim) wird von Timofey (Bill Nighy), dem Inhaber eines Restaurants und Enkel russischer Einwanderer, zum Restaurantleiter bestellt.

Dann gibt es da noch Jeff (Caleb Landry Jones), der dringend auf der Suche nach einem Job ist, und den Rechtsanwalt John Peter (Jay Baruchel), der zwar hohe Ansprüche an sich hat, denen sein Selbstwertgefühl allerdings nicht hinterherkommt. All diese Geschichten der verlorenen Seelen führt Lone Scherfig langsam zusammen, auf das in ihren Herzen mehr Hoffnung und Geborgenheit aufkomme – allein: Ihr Drehbuch (das erste seit ihrem Filmhit „Italienisch für Anfänger“) ist an vielen Stellen arg überkonstruiert und unglaubwürdig, weil sie das Gute im Menschen drastisch überbetont.

Der Film gerät so schnell zum pickigen Märchen, zu einer schmalztriefenden Künstlichkeit, die, wenn überhaupt, nur im Vorweihnachts-Kinoprogramm erträglich ist. Romantisch verklärt sind allerdings nicht nur die sich entspinnenden Geschichten unter den Protagonisten, sondern auch die Sicht auf New York als einen Ort der Güte; eine sentimentale Schnulze, die trieft vor Drama und Unglück, und die zugleich himmelhochjauchzend die Rettung einsamer Herzen zelebriert – für die meisten Kitsch-Feinde wohl unerträglich.

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