aeiou - © Filmladen

Eine vergebene Überraschung – „AEIOU. Das schnelle Alphabet der Liebe“

1945 1960 1980 2000 2020

Eine Amour fou von Regisseurin und Schauspielerin Nicolette Krebitz.

1945 1960 1980 2000 2020

Eine Amour fou von Regisseurin und Schauspielerin Nicolette Krebitz.

Nicolette Krebitz überrascht ihr Publikum immer wieder mit ausgefallenen Geschichten. Zuletzt fabulierte sie in „Wild“ von der sonderbaren Beziehung einer jungen Frau mit einem Wolf. Und auch ihr neuer Film „AEIOU. Das schnelle Alphabet der Liebe“ vibriert von dem Auftritt eines eigenwilligen Charakters. So gibt die Schauspielerin Anna (in ihrem Element: Sophie Rois) dem jungen Handtaschenräuber Adrian im Rahmen einer staatlichen Erziehungsmaßnahme Sprechunterricht. Nachdem dieser schließlich als Schauspieler brilliert, besteigt die 60-Jährige mit ihm den Zug nach Nizza.

In der ersten Stunde von „AEIOU“ spürt man mit jedem Moment, dass Krebitz auch Schauspielerin ist. Ihre Schilderung der alternden Anna und deren Metiers ist von eigener Anschauung durchdrungen, strahlt frisch und unverbraucht, geht zuweilen in selbstironische Distanz. Mitreißend strebt sie dem Höhepunkt zu, meisterhaft unterstützt von Montage, Musik und dem Hell-Dunkel-Kontrast der Bilder. Nach Adrians Erfolg fallen die Lehrerin und ihr Schüler in das allbekannte „Loch“, aus dem sie der Aufenthalt im „Land der Liebe“ katapultieren soll. Doch mit dieser Wendung verändert sich der Ton. Die Amour fou, die an Vorbilder wie etwa „Außer Atem“ oder „Ava“ anknüpft, wirkt dann leider kraftlos, schal und uninspiriert.

Die Autorin ist freie Filmkritikerin.

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