Dieser Film ist ein Geschenk - © Foto: Stadtkino
Film

Endlichkeit und Fortdauern

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Tief in seiner DNA, in ausgewählten Szenen ist das dokumentarische Essay „Dieser Film ist ein Geschenk“ von Anja Salomonowitz („Kurz davor ist es passiert“, „Spanien“) auch ein sorgfältig beobachtendes Porträt eines Künstlers bei der Arbeit. Der 1930 geborene Schweizer Daniel Spoerri sitzt dann in seinem Wiener Atelier und komponiert gebrauchte Teile zu Assemblagen, die daraufhin vom Assistenten fotografiert und für ihr neues Leben als Kunstwerk fixiert werden. Salomonowitz geht es in ihrer Arbeit jedoch mehr um den materiellen Kreislauf dahinter, um Tod und Wiedergeburt, und ihre eigene Suche, damit fertig zu werden. In diese schöpferische Beschäftigung Spoerris bringt sie nämlich einen Satz Kochlöffel und ein kleines Porzellanherz aus der Hinterlassenschaft ihres jüngst verstorbenen Vaters ein. Sie gibt sie Spoerri, damit er aus ihnen etwas macht, dass eine Existenz beginnt, wo eine zu Ende gegangen ist. Selten ist es der Künstler selbst, der dazwischen über sein Leben erzählt. Über Nouveau Réalisme und Eat Art, die er mitetablierte. An seiner Statt bindet Salomonowitz oft ihren 10-jährigen Sohn Oskar ein, als Widerhall des jungen Daniel – damals hieß er noch Feinstein –, der in Rumänien aufwuchs, den Holocaust überlebte und seinen Vater verlor, als er in Oskars Alter war. Oskar entwickelt vor der Kamera seine eigene Beziehung zu Spoerri, wird selbst zum Erfinder einer neuen Geschichte, als er sich aus dem Fundus der Alltagsgegenstände einen Frosch aussucht.

Endlichkeit und Fortdauern, Trauer und Trost liegen in „Dieser Film ist ein Geschenk“ immer eng beieinander. Wie eng diese Gegensätze verbunden sind, daran lässt einen Anja Salomonowitz teilhaben, wenn sie aus dem Off mit einfachsten Worten und sanftem Witz die eigene Auseinandersetzung damit auf den Punkt bringt. Die Bedeutung, die wir im Verlust einem vorher völlig banalen Gegenstand beimessen können. Und wie wir damit umzugehen versuchen. Daniel Spoerri erweist sich dafür als lohnender Partner, und das, was irgendwann zwar auch Künstlerporträt ist, als beachtliche Meditation übers Leben.