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Endlich Kino!

FOKUS
Fuchs im Bau - © Foto: Filmladen

„Fuchs im Bau“: In der Schule des Gefängnisses

1945 1960 1980 2000 2020

Arman T. Riahis zweiter Spielfilm „Fuchs im Bau“ eröffnet die Diagonale in Graz: Das Sozial- und Milieudrama über die Schulklasse in einer heimischen Haftanstalt ist exzeptionelles und richtungweisendes Kino. Österreichs Film erweist sich hier als quicklebendig.

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Arman T. Riahis zweiter Spielfilm „Fuchs im Bau“ eröffnet die Diagonale in Graz: Das Sozial- und Milieudrama über die Schulklasse in einer heimischen Haftanstalt ist exzeptionelles und richtungweisendes Kino. Österreichs Film erweist sich hier als quicklebendig.

„Fuchs im Bau“ ist nicht der erste österreichische Film, der den Gefängnisalltag in einen Plot gießt: 2011 machte Karl Markovics mit „Atmen“ auch als Regisseur auf sich aufmerksam, jener Geschichte des 19-jährigen Roman, der wegen eines Tötungsdelikts inhaftiert ist und bei der Wiener Bestattung erste Schritte in eine hoffentlich dräuende Freiheit versucht.

Karl Markovics war auch als Berater für Arman T. Riahi beim nunmehrigen Projekt dabei, und das Ergebnis, eben „Fuchs im Bau“, ist eine fulminante Wegmarke, ein neuer Stern am österreichischen Filmhimmel. Beim Max-Ophüls-Festival heimste der Film Anfang des Jahres drei Preise ein (darunter für die Beste Regie und das Beste Drehbuch). Und nun wird er die Diagonale, das Festival des österreichischen Films in Graz eröffnen.

Film der Meisterklasse

Arman T. Riahi, der jüngere der beiden österreichisch-iranischen Filmbrüder (der ältere, Arash, firmierte bei „Fuchs im Bau“ als Dramaturg und Produzent) ist vor allem als Dokumentarfilmer bekannt geworden, er reüssierte aber auch mit seinem ersten Spielfilm „Die Migrantigen“ (2017),einer eher leichten Kost, die das Culture-Clash-Thema in Österreich auf die humorige Schulter nahm.

„Fuchs im Bau“ ist dem folgend aber kein Gesellenstück mehr, sondern wirklich heimischer Film der Meisterklasse. Es gelingt dem vielschichtigen Plot, eine ganze Reihe gesellschaftspolitisch relevanter Probleme und Themen in eine Geschichte zu packen: Migration, Jugendkriminalität,, „Sonder“-Pädagogik, sexuelle Identität, Missbrauch, Hierarchie in hermetischen Institutionen wie Gefängnissen etc.

Arman T. Riahi hat mehr als zehn Jahre recherchiert und setzt auch Gefängnispädagog(inn)en, die er dabei kennengelernt hat, ein Denkmal, nicht zuletzt Wolfgang Riebniger, dem früheren Sonderpädagogen der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Und er zeigt der Gesellschaft „draußen“, dass es auch für Straftäter(inn)en Unterricht begeben muss – eine besondere Herausforderung für die Pädagog(inn)en, denn die soziale wie migrantische Zusammensetzung ist ein Problem, ebenso die große Fluktuation wie das sozialpsychologische Setting: Dieser „Unterricht“ ist oft der einzige wirkliche Freiraum der aus zerrütteten Verhältnissen kommenden Kids, die sich meist auch selber in einer Zerrüttung ihres Lebens befinden.

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