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"Gefangen im Netz": Der schreckliche Kindesmissbrauch im Internet

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Die tschechischen FilmemacherInnen Barbora Chalupová und Vít Klusák möchten einen Dokumentarfilm machen, wie junge Mädchen im Netz von erwachsenen Männern psychisch missbraucht werden.

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Die tschechischen FilmemacherInnen Barbora Chalupová und Vít Klusák möchten einen Dokumentarfilm machen, wie junge Mädchen im Netz von erwachsenen Männern psychisch missbraucht werden.

Die tschechischen FilmemacherInnen Barbora Chalupová und Vít Klusák möchten einen Dokumentarfilm machen, wie junge Mädchen im Netz von erwachsenen Männern psychisch missbraucht werden. Dafür suchen sie nach drei volljährigen, aber sehr jung aussehenden Darstellerinnen, die zehn Tage lang als 12-jährige Mädchen in verschiedenen Chatforen aktiv sein sollen. Zum Casting kommen 23 junge Frauen. Allein 19 von ihnen berichten von selbst erlebtem Missbrauch im Internet.

„Gefangen im Netz“ ist in seinen formalen Aspekten ein präziser, betont transparent gestalteter Versuchsaufbau: Szenen der Recherche, des Castings, der Ausstattungsarbeiten, sowie der begleitenden Hintergrundgespräche mit den Darstellerinnen, aber auch einem Anwalt, einer Sexologin, mit Psychologen und Sozialarbeitern, vermitteln notwendige Sicherheit/ en. Das gedrehte Material ist der tschechischen Polizei zur Strafverfolgung überlassen worden.

In den zehn Drehtagen melden sich 2458 Männer, die meisten von ihnen im Videochat. Jedes Mal weisen die jungen Frauen ausdrücklich darauf hin, dass sie erst 12 Jahre alt sind. Weitere vorab intern fixierte Regeln sind u.a.: auf jede sexuelle Annäherung naiv antworten, nie provozieren und ein persönliches Treffen niemals selbst initiieren.

Die Männer – im Film verpixelt zu sehen – gehen zielstrebig, schnell, aggressiv vor. „Zieh dich aus“, „Zeig mir das, zeig mir das“ oder inszenieren sich direkt selbst als Opfer: „Du tust mir weh, wenn du mir nicht hilfst, mich zu entspannen.“ Machen die Mädchen nicht, was die Männer wollen, werden sie beschimpft, bedroht, erpresst, im besten Falle radikal zurückgewiesen. Tun sie, was sie wollen, passiert genau dasselbe.

Weil der Film nicht auf dramatisierende Musik verzichtet und an sein Ende eine Konfrontation mit einem der „Täter“ stellt, verspielt er viel von seinem Distinktionspotenzial zu ähnlichen Fernsehreportagen. Auch die Abgrenzung zum Thema Pädophilie gelingt nicht gänzlich, obwohl die Sexologin den Unterschied erklärt. Denn 90 Prozent dieser Männer sind nicht pädophil. Sie würden sich mit erwachsenen Frauen genauso verhalten, trauten sie sich nur. So kommt es hier gar zu einem luziden Moment: Mentale Manipulationversuche von Frauen jeden Alters zum Zweck der männlichen Triebbefriedigung wird auch jede erwachsene Frau zumindest einmal schon erahnt haben müssen, die je mit einem Mann sexuell gechattet hat. Der Anspruch auf den weiblichen Körper und seine zweckgebundene Austauschbarkeit, das ist nur einer der Abgründe männlicher Psyche, welche dieser Film offenbart.

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