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Gewiss ungewiss – „Nomadland“ von Chloé Zhao

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„Nomadland“ von Chloé Zhao wurde mit vier Oscars ausgezeichnet. Der Film schildert das Nomadenleben einer US-Bürgerin, die nur mehr wenige Perspektiven hat.

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„Nomadland“ von Chloé Zhao wurde mit vier Oscars ausgezeichnet. Der Film schildert das Nomadenleben einer US-Bürgerin, die nur mehr wenige Perspektiven hat.

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Es ist beachtlich, mit wie viel Gespür für die Details Chloé Zhao ihren Film „Nomadland“ gestaltet hat. Die Regisseurin, die mit erst 38 Jahren die zweite Frau in der Filmgeschichte ist, die nach Kathryn Bigelow mit einem Oscar für die beste Regie ausgezeichnet wurde, legt mit „Nomadland“ vordergründig die Geschichte um eine einfache Frau vor, die mit ihrem Leben als Nomadin weder hadert noch darin in Glück aufgeht. Sie erduldet das, was ihr passiert.

Zugleich aber ist „Nomadland“ aufgeladen mit einer Unzahl an kleinen und kleinsten Einfällen, die die Stimmung in diesem gigantisch großen Land namens USA so vortrefflich zu illustrieren imstande ist, dass man als Zuschauer allein daraus schon filmische Glücksmomente gewinnen kann. Zhao hat mit „Nomadland“ nicht nur eine filmisch höchst stimmige Abbildung amerikanischer Wirklichkeit vorgelegt, sondern darin auch weibliche Lebensrealitäten abgebildet, die es sonst kaum im Kino zu sehen gibt – schon gar nicht in Filmen US-amerikanischer Provenienz.

Sozialtristesse mit kritischem Unterton

Im Zentrum der Handlung steht Fern (Frances McDormand), eine Frau Mitte 50, die ihren Mann verloren hat, und mit ihm schließlich auch das gemeinsame Haus in Empire, Nevada. Dort hatte sie für den einzigen Arbeitgeber der Stadt, einen Baustoffhersteller, gearbeitet, und dieser ist pleitegegangen. Ein Sozialdrama würde sich aufdrängen, in dieser Konstellation, und es ist auch ein kritischer Unterton dabei, wenn „Nomadland“ über diese Sozialtristesse berichtet, gerade in einem Land, in dem der einstige Präsident, Donald J. Trump, großspurig versprochen hatte, allen Amerikanern Arbeit zu verschaffen.

Fern verliert also das Haus, sie lebt fortan in ihrem alten Van, den sie sich nach ihren bescheidenen Möglichkeiten zum festen Wohnsitz umgebaut hat. Sie ist eine moderne Nomadin, von denen es zahlreiche gibt in den USA. Manche leben diesen Lebensstil freiwillig, andere – wie Fern – werden dazu gezwungen. Von ein paar Aushilfsjobs finanziert sie sich das Essen, es verschlägt sie je nach Auftragslage in diese oder jene Region der Staaten.

Unterwegs Begegnungen mit Fremden, die zu Freunden werden, mit Menschen, die ähnliche Schicksale leben. Und Fern mittendrin, stets betonend, dass sie ja gar nicht obdachlos sei, solange ihr der Van den Kopf vom Regen trocken halte. Außerdem beginnt sie, diese Form der Ungebundenheit, diese Freiheit, zu lieben. Und: Sie behält immer ihre Würde.

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