Checkpoint Salam - Grenzoffizier Assi (Yaniv Biton, re.) zwingt Salam (Kais Nashif), Drehbuchautor der Soap Opera „Tel Aviv on Fire“, den Plot des abendlichen Straßenfegers umzuschreiben.
Film

Grenzüberschreitungen

1945 1960 1980 2000 2020

Die Komödie „Tel Aviv on Fire“ von Sameh Zoabi nimmt gekonnt kleine und große Probleme in Israel-Palästina wie das Genre der Seifenoper samt dessen Publikum aufs Korn.

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Die Komödie „Tel Aviv on Fire“ von Sameh Zoabi nimmt gekonnt kleine und große Probleme in Israel-Palästina wie das Genre der Seifenoper samt dessen Publikum aufs Korn.

Sommerzeit ist Zeit für Komödien und leichte Filmkost. Dass diese aber mitnichten niveauarm sein muss oder an realen (politischen) Problemen vorbeisieht, beweist Sameh Zoabis Mediensatire „Tel Aviv on Fire“. Der palästinensische Israeli gewann mit seinem Opus schon auf einigen Festivals weltweit Preise, auch den Interfilm Award 2018, der bei den Filmfestspielen in Venedig vergeben wurde, heimste er ein.

Ausgangs- und Kulminationspunkt des Films ist die titelgebende Seifenoper, die jeden Abend Israelis wie Palästinenser vor den Bildschirmen versammelt. Salam, ein junger Palästinenser (Kais Nashif), ist einer der Drehbuchautoren des Herz-Schmerz-Machwerks. Nicht nur, dass sich die französische Hauptdarstellerin Tala (Lubna Azabal) andauernd ins Werden des Drehbuchs einzumischen versucht, sondern die politischen Wirrnisse im Nahen Osten verkomplizieren die Arbeit weiter: Denn da Salam im Westjordanland lebt, muss er täglich den Checkpoint bei Ramallah passieren. Bei einer Kontrolle fällt dabei das Skript der zu drehenden Folge dem Grenzoffizier Assi (Yaniv Biton) in die Hände, der hauptsächlich die Zeit totschlägt, nun aber, mit einem echten Filmmanuskript in greifbarer Nähe, seine Frau beeindrucken will: Er zwingt Salam, dessen Plots politisch bislang eher wenig israelfreundlich ausgefallen sind, das Drehbuch zu ändern.

Sommerzeit ist Zeit für Komödien und leichte Filmkost. Dass diese aber mitnichten niveauarm sein muss oder an realen (politischen) Problemen vorbeisieht, beweist Sameh Zoabis Mediensatire „Tel Aviv on Fire“. Der palästinensische Israeli gewann mit seinem Opus schon auf einigen Festivals weltweit Preise, auch den Interfilm Award 2018, der bei den Filmfestspielen in Venedig vergeben wurde, heimste er ein.

Ausgangs- und Kulminationspunkt des Films ist die titelgebende Seifenoper, die jeden Abend Israelis wie Palästinenser vor den Bildschirmen versammelt. Salam, ein junger Palästinenser (Kais Nashif), ist einer der Drehbuchautoren des Herz-Schmerz-Machwerks. Nicht nur, dass sich die französische Hauptdarstellerin Tala (Lubna Azabal) andauernd ins Werden des Drehbuchs einzumischen versucht, sondern die politischen Wirrnisse im Nahen Osten verkomplizieren die Arbeit weiter: Denn da Salam im Westjordanland lebt, muss er täglich den Checkpoint bei Ramallah passieren. Bei einer Kontrolle fällt dabei das Skript der zu drehenden Folge dem Grenzoffizier Assi (Yaniv Biton) in die Hände, der hauptsächlich die Zeit totschlägt, nun aber, mit einem echten Filmmanuskript in greifbarer Nähe, seine Frau beeindrucken will: Er zwingt Salam, dessen Plots politisch bislang eher wenig israelfreundlich ausgefallen sind, das Drehbuch zu ändern.

Die Kombination von verpackter politischer Botschaft, Medienkritik und Sitz im Leben macht den Film zu einem
potenziellen Sommerhit.

Auch wenn es Salam gegen den Strich geht, mit einem israelischen Militär zu kooperieren, bleibt ihm nichts anderes übrig – und die seltsame „Kooperation“ gerät zum Sensationserfolg: Salam und Assi entwickeln hinkünftig ebenso schnulzige Dialoge wie absurde Wendungen des Plots. Doch dann soll, zu Salams Entsetzen, die ganze Seifenoper eingestellt werden. Nun kommt auf „Tel Aviv on Fire“, das allabendliche Schundfernsehen, tatsächlich eine Feuerprobe zu …

Der Charme (oder: die Grandezza) des Films besteht darin, dass er einerseits die politischen Alltagsprobleme im zerrissenen Israel-Palästina auf die Schaufel nimmt, ohne die Brisanz und menschlichen Abgründe, die dahinterstecken, zu verharmlosen. Satire, das zeigt Regisseur Zoabi, kann auch in dieser Manier daherkommen. Und gleichzeitig nimmt „Tel Aviv on Fire“ auch das Seifenopern-Business wie dessen Publikum gekonnt und humorvoll aufs Korn. Es ist diese Kombination von verpackter politischer Botschaft, Medienkritik und Sitz im (israelisch-palästinensischen) Leben, das „Tel Aviv on Fire“ zu einem potenziellen cineastischen Sommerhit macht.

Film

Tel Aviv on Fire

L/F/IL/B 2018. Regie: Sameh Zoabi.

Mit Kais Nashif, Lubna Azabal, Yaniv Biton.

Filmladen. 97 Min.