ImHimmelistauchPlatzfuerMaeuse - still - © Foto: Polyfilm

Im Himmel geht es nicht ruhiger zu als auf Erden

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Die Autorin Alexandra Zawia über den Animationsfilm „Im Himmel ist auch Platz für Mäuse“ des Regisseurduos Denisa Grimmová und Jan Bubeníček.

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Die Autorin Alexandra Zawia über den Animationsfilm „Im Himmel ist auch Platz für Mäuse“ des Regisseurduos Denisa Grimmová und Jan Bubeníček.

Es ist eine charmante Mischung aus Stop-Motion-Technik und unaufdringlicher Computergrafik, mit der Jan Bubenicek und Denisa Grimmová ihren Film „Im Himmel ist auch Platz für Mäuse“ inszeniert haben. Basierend auf dem 2011 erschienenem Kinderbuch „Auch Mäuse kommen in den Himmel“ von Iva Procházková erzählen sie von der sehr angeberischen Maus Dalli, die bei einem ihrer Versuche, als Heldin in die Tiergeschichte einzugehen, ausgerechnet zusammen mit einem gehassten Jung-Fuchs namens Weißbauch in den ewigen Jagdgründen landet, denn beide werden während ihrer Verfolgungsjagd von einem Auto überfahren. In detaillierten, eine eigenartige Magie evozierenden Kulissen geht es für Dalli und Weißbauch aber auch im Himmel nicht ruhiger zu. Sie geraten von einem wilden Garten in eine Wasser-Oase, schnurstracks in ein Untertunnelungssystem, von dort mitten in einen unheimlichen Jahrmarkt und weiter in einen dunklen Wald. Dieser „Himmel“, ein Ort ohne Verortung, ein Sein, ohne zu sein, das wirft Fragen auf. Doch es wäre kein auf seine Zielgruppe zugeschnittener Kinderfilm, der damit nicht adäquat umzugehen verstünde. So gibt es eben auch im Himmel klare Regeln, die für alle gelten: Etwa sich in einem besonderen Fluss regelmäßig die Instinkte wegzuwaschen, die naturgesetzlichen Unterschiede, denn nur so können alle Tiere auch gut miteinander auskommen. Dennoch liegt dieser Idee nicht Angst vor Unterschieden zugrunde: Solches wird durch die Dynamik zwischen Dalli und Weißbauch entkräftet. Zwischen beiden entsteht eine zuvor unmögliche Freundschaft. Interessant ist vor allem, dass Dalli keine auf den ersten Blick sympathische Figur ist. Nervig, quengelig und in angstbesetzten Vorurteilen lange festgefahren, erfährt sie schließlich die größte Entwicklung. Denn als ihr sehnlichster Wunsch, wieder auf die Erde zurückzukehren, in Erfüllung geht, geschieht das in vertauschten Rollen. Ein Film, der aus kindlicher Perspektive die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Vorbildern sucht und eine kluge Sicht darauf bietet, wie Angst, Mut und Respekt zusammenhängen.

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