Großvater und Enkelin - Ingvar Sigurðsson als Einzelkämpfer Ingimundur und Ída Mekkín Hlynsdóttir als seine geliebte Enkelin Salka. - © Polyfilm
Film

Isländisch männlich

1945 1960 1980 2000 2020

Hlynur Pálmason zeichnet im dichten Drama „Weißer weißer Tag“ das beunruhigende Porträt eines isländischen Polizisten, der nach dem Tod seiner Frau in stiller Trauer versinkt.

1945 1960 1980 2000 2020

Hlynur Pálmason zeichnet im dichten Drama „Weißer weißer Tag“ das beunruhigende Porträt eines isländischen Polizisten, der nach dem Tod seiner Frau in stiller Trauer versinkt.

Hlynur Pálmason hat seinem zweiten Spielfilm ein isländisches Sprichwort vorangestellt, das besagt, dass an milchigen Nebeltagen, an denen die Grenzen zwischen Himmel und Erde verschwimmen, die Toten mit den Lebenden kommunizieren. Die Tote, um die es geht, kommt schon in der nächsten Einstellung ins Spiel, bleibt aber unsichtbar, denn in einer endlos langen Fahrt folgt die Kamera einem Auto auf einer nebeligen isländischen Bergstraße, bis der Wagen in einer Kurve die Leitplanke durchbricht und in die Tiefe stürzt.

Wortkarg und versteinert

Dieser Unfall wird den ganzen Film überschatten, denn die Frau des Polizisten Ingimundur (Ingvar Sigurðsson) ist dabei ums Leben gekommen. Um die Trauer zu verarbeiten, wurde Ingimundur beurlaubt und besucht wöchentlich einen Therapeuten. Diese Sitzungen zeigen aber aufgrund der Verschlossenheit des Witwers wenig Erfolg. Wie einer der auf der Straße liegenden Felsblöcke scheint der etwa 60-Jährige unbeweglich und zieht sich in sich zurück. Einzig seine achtjährige Enkelin Salka ( Ída Mekkín Hlynsdóttir) kann ihn hin und wieder aufmuntern.

Die große Abwesende ist aber die Verstorbene. Nur in einer schnellen Abfolge von Details des Autowracks und von Fundstücken aus ihrem Leben ist sie für Ingimundur noch präsent, aber schwer lasten diese Erinnerungen auf ihm, scheinen auf ihn hereinzubrechen und machen es ihm unmöglich, loszulassen. Als er eine Kiste mit Büchern und Fotos, die er bei einem Familienfest erhält, durchstöbert, stößt er aber auf Hinweise einer Affäre seiner Frau. Obsessiv geht er der Sache nach und macht schließlich auch den Liebhaber ausfindig. Zur nicht bewältigten Trauer kommt damit auch Wut, die sich sukzessive steigert.