Julie

"Julie – Eine Frau gibt nicht auf": Allein als Getriebene

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Die Französin Laure Calamy überzeugt als alleinerziehende Mutter im Filmdrama „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ von Regisseur Eric Gravel.

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Die Französin Laure Calamy überzeugt als alleinerziehende Mutter im Filmdrama „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ von Regisseur Eric Gravel.

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Der Druck, der auf der Titelheldin des französischen Dramas „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ lastet, ist bis in den Soundtrack hinein spürbar. In unnachgiebigem Takt treiben die Ereignisse eine Alleinerzieherin vor sich her, durch eine Woche, in der ihre Probleme kulminieren. Für ein Vorstellungsgespräch riskiert sie ihren Job, den sie nicht verlieren darf, bei dem aber schon der Arbeitsweg aufgrund von Streiks eine tägliche Herausforderung darstellt. Das Entgegenkommen der alten Dame, die auf ihre Kinder aufpasst, ist mittlerweile ebenso überstrapaziert wie ihr Kontenrahmen, der unterhaltssäumige Ex-Mann nicht erreichbar. Das Auto ist kaputt, genau wie der Boiler, und Ende der Woche steht die Geburtstagsfeier ihres Sohnes an.
Julie sucht bei all diesen Dingen nach Alternativen, nach jemandem, der noch Wohlwollen für sie übrighat, sie trickst, um den Kollaps ihres Lebens unter der Mehrfachbelastung immer wieder aufs Neue abzuwenden.

Regisseur Eric Gravel deutet ihre sich zuspitzende Gefühlslage an, lässt auf der Suche nach Auswegen sogar den Gedanken an Suizid kurz auftauchen. Packend greift er das durch die Krisen der letzten Jahre nur noch aktueller gewordene Thema der Armutsgefährdung auf, die sich längst bis weit in die sogenannte Mittelschicht zieht und besonders leicht Frauen und Mütter treffen kann. Das unumstrittene Zentrum dieses Ringens um Lösungen, das nur selten Momente der Ruhe kennt, ist dabei Laure Calamy („It’s Raining Men“). Ihre Körpersprache trägt einen Film, der nicht die Zeit hat, sich auf überbordende Theatralik einzulassen, sondern lieber auf Dringlichkeit baut, die das Publikum dabei emotional noch stärker abzuholen vermag.

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