Königin des Nordens - © Einhorn

„Königin des Nordens“: Zerbrechliche Powerfrau

1945 1960 1980 2000 2020

„Die Königin des Nordens“: Die dänische Regisseurin Charlotte Sieling setzt Margarethe I., Regentin von Dänemark, Schweden und Norwegen, ein cineastisch brillantes Denkmal.

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„Die Königin des Nordens“: Die dänische Regisseurin Charlotte Sieling setzt Margarethe I., Regentin von Dänemark, Schweden und Norwegen, ein cineastisch brillantes Denkmal.

Dass sich die heutige Königin von Dänemark, Margrethe, mit der Zahl „II.“ schmückt, ist die Reverenz an eine berühmte Vorfahrin – und nicht historische Exaktheit. Denn Margarethe I., auf die sich eben auch die heutige Regentin bezieht, war gar nicht im juristischen Sinn Königin: Ende des 14. Jahrhunderts, nach dem Tod ihres Vaters, wurde sie Regentin für ihren minderjährigen Sohn Oluf, der aber im jugendlichen Alter verstarb. Margarethe adoptierte daher ihren gleichfalls minderjährigen Großneffen Erik von Pommern, war aber de facto die Herrscherin von Dänemark, Norwegen und Schweden – sie schmiedete die „Kalmarer Union“ der drei Länder. Bis Margarethe 1412 in Flensburg an der Ruhr starb, war sie die mächtigste Frau ihrer Zeit.

Dieser starken Frauengestalt – ihr Grab findet sich im Zentrum der Kathedrale von Roskilde, wo auch die anderen dänischen Könige begraben liegen – setzt Charlotte Sielings Biopic „Königin des Nordens“ ein eindrückliches Denkmal. Die dänische Regisseurin macht aus der historischen Gestalt keine Heldin, sondern zeigt sie als gewiefte Diplomatin und Strategin, die ein Großreich aufbaut und zusammenzuhalten sucht.

Ein Gefüge gerät ins Wanken

Margarethe will Adoptivsohn Erik mit einer noch im Kindesalter befindlichen englischen Prinzessin vermählen, um die Macht abzusichern. Doch Intrigen am Hof und vor allem bei den in Nord- und Ostdeutschland herrschenden Rittern des Deutschen Ordens bringen das Reich und dessen ungekrönte Königin in große Gefahr. Insbesondere als ein Mann auftritt, der behauptet, Margarethes verstorbener Sohn Oluf zu sein, gerät das austarierte Gefüge ins Wanken.

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