Der Klavierspieler vom Gare du Nord - Jules Benchetrit in der Hauptrolle des Mathieu Malinski, der in der Halle des Pariser Nordbahnhofs seinem Ent­decker und Förderer begegnet. - © Lunafilm
Film

Lang Lang aus der Gosse – oder: O mein Rachmaninow!

1945 1960 1980 2000 2020
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Das zweite Klavierkonzert von Rachmaninow eignet sich vorzüglich, um eine Karriere und/oder Leidensgeschichte eines Klaviervirtuosen zu erzählen. Das tut auch Ludovic Bernard in seinem Spielfilm „Der Klavierspieler vom Gare du Nord“. Ein Leinwandopus, das viele Elemente eines Feel-Good-Movies in sich vereinigt: das Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Motiv (genauer: vom Underdog aus den Pariser Banlieues zum renommiertesten Nachwuchswettbewerb für angehende Superstars des Pianos) – Lang Lang aus der Gosse also. Dazu die herzzerreißende Geschichte dieses Leiters des Pariser Konservatoriums, der den eigenen Sohn an die Leukämie verloren hat und nun im jungen Wilden ein Ersatzgenie entdeckt Jedenfalls glaubt Pierre Geithner an den 20-jährigen Mathieu Malinski, den er am Pariser Nordbahnhof auf dem dort aufgestellten Klavier spielen gehört hat. Doch der interessiert sich wenig für den Schnösel von Musikfunktionär. Aber als Mathieu eine Verurteilung wegen eines Raubüberfalls droht, besinnt er sich der Visitenkarte von Monsieur Geithner und meldet sich. Der nimmt ihn für die vom Gericht angeordneten Sozialstunden als Putzmann auf – und sucht den jungen Mann zu fördern, denn er glaubt, das Klavier-Genie der Zukunft entdeckt zu haben. Als Geithner ihn aber in die Klasse der gefürchteten Klavierpädagogin „die Gräfin“ unterbringt, lässt sich der ungeschliffene Rohdiamant mitnichten formen. Aber Geithner, der im Konservatorium Feindschaft und Intrigen gegenübersteht, bildet sich ein, dass Mathieu der kommende Stern am Pariser Musikhimmel ist, und entgegen dem Rat seiner Kollegen (und Konkurrenten) meldet er ihn beim berühmten Nachwuchswettbewerb an. Mit von der Partie ist nur die Gräfin, der Rest der Belegschaft reibt sich schon die Hände ob Geithners (und Mathieus) unausweichlichem Fall. Geradezu kitschig ist diese Geschichte, und das Ende erweist sich als durch und durch erwartbar. Doch mit Fortschreiten des Films nimmt er den Betrachter ob seiner Musikalität, der subtilen Personenführung und seiner exzellenten Schauspielerleistung in seinen Bann: Der 20-jährige Jules Benchetrit darf als Protagonist zeigen, was in ihm an jugendlicher wie musikalitätsmäßiger Kraft steckt. Lambert Wilson als Geith ner und Kristin Scott Thomas als Gräfin komplettieren den Cast, der trotz des ursprünglich nicht ganz subtilen Plots dann doch einen zauberhaften Film gestaltet, der weniger leicht daherkommt, als es ursprünglich den Anschein hat.

Der Klavierspieler vom Gare du Nord (A bout des doigts)
F 2018. Regie: Ludovic Bernard.
Mit Jules Benchetrit, Lambert Wilson, Kristin Scott Thomas.
Lunafilm. 106 Min.

Das zweite Klavierkonzert von Rachmaninow eignet sich vorzüglich, um eine Karriere und/oder Leidensgeschichte eines Klaviervirtuosen zu erzählen. Das tut auch Ludovic Bernard in seinem Spielfilm „Der Klavierspieler vom Gare du Nord“. Ein Leinwandopus, das viele Elemente eines Feel-Good-Movies in sich vereinigt: das Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Motiv (genauer: vom Underdog aus den Pariser Banlieues zum renommiertesten Nachwuchswettbewerb für angehende Superstars des Pianos) – Lang Lang aus der Gosse also. Dazu die herzzerreißende Geschichte dieses Leiters des Pariser Konservatoriums, der den eigenen Sohn an die Leukämie verloren hat und nun im jungen Wilden ein Ersatzgenie entdeckt Jedenfalls glaubt Pierre Geithner an den 20-jährigen Mathieu Malinski, den er am Pariser Nordbahnhof auf dem dort aufgestellten Klavier spielen gehört hat. Doch der interessiert sich wenig für den Schnösel von Musikfunktionär. Aber als Mathieu eine Verurteilung wegen eines Raubüberfalls droht, besinnt er sich der Visitenkarte von Monsieur Geithner und meldet sich. Der nimmt ihn für die vom Gericht angeordneten Sozialstunden als Putzmann auf – und sucht den jungen Mann zu fördern, denn er glaubt, das Klavier-Genie der Zukunft entdeckt zu haben. Als Geithner ihn aber in die Klasse der gefürchteten Klavierpädagogin „die Gräfin“ unterbringt, lässt sich der ungeschliffene Rohdiamant mitnichten formen. Aber Geithner, der im Konservatorium Feindschaft und Intrigen gegenübersteht, bildet sich ein, dass Mathieu der kommende Stern am Pariser Musikhimmel ist, und entgegen dem Rat seiner Kollegen (und Konkurrenten) meldet er ihn beim berühmten Nachwuchswettbewerb an. Mit von der Partie ist nur die Gräfin, der Rest der Belegschaft reibt sich schon die Hände ob Geithners (und Mathieus) unausweichlichem Fall. Geradezu kitschig ist diese Geschichte, und das Ende erweist sich als durch und durch erwartbar. Doch mit Fortschreiten des Films nimmt er den Betrachter ob seiner Musikalität, der subtilen Personenführung und seiner exzellenten Schauspielerleistung in seinen Bann: Der 20-jährige Jules Benchetrit darf als Protagonist zeigen, was in ihm an jugendlicher wie musikalitätsmäßiger Kraft steckt. Lambert Wilson als Geith ner und Kristin Scott Thomas als Gräfin komplettieren den Cast, der trotz des ursprünglich nicht ganz subtilen Plots dann doch einen zauberhaften Film gestaltet, der weniger leicht daherkommt, als es ursprünglich den Anschein hat.

Der Klavierspieler vom Gare du Nord (A bout des doigts)
F 2018. Regie: Ludovic Bernard.
Mit Jules Benchetrit, Lambert Wilson, Kristin Scott Thomas.
Lunafilm. 106 Min.