Architektur der Unendlichkeit - © Thimfilm
Film

Langsamkeit und Kontemplation

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Der Schweizer Dokumentarfilmer Christoph Schaub hat sich – neben vielen Arbeiten fürs Spielfilm-Genre – auch auf das filmische Erkunden von Architektur spezialisiert. Dabei will er Gebäude im Kinosaal sinnlich erfahrbar machen und in Beziehung zu den Menschen setzen – den Zuschauern ebenso wie den Bewohnern/Begehern/Vorbeikommenden der Bauwerke, die er darstellt.

Ein besonderes filmisches Kleinod ist Schaub in „Architektur der Unendlichkeit“ gelungen, weil er durch die Konzentration auf Sakralarchitektur auch die Dimension der Transzendenz in seinen Film bannt. Er, der Agnostiker, sei immer schon von Kirchen fasziniert gewesen, so Schaub in einem Interview. Dabei interessiere ihn „das emotionale, philosophische Verständnis dieser Räume und nicht die Kunst des Entwerfens und Bauens“. Und so ist er zu Kirchenräumen in seiner Schweizer Heimat, aber auch in Deutschland, Schweden, Spanien, Frankreich und insbesondere Portugal gefahren und hat Architekten sowie andere Kenner zu den gezeigten Sakralbauten befragt, darunter die Schweizer Peter Zumthor und Peter Märkli, den portugiesischen Pritzker-Preisträger Álva­ro Siza Viera oder den ame­rikanischen Land-Art-Guru James Turrell.

Mit ihnen und der Kamera erkundet Schaub in kaum nachahmlicher Langsamkeit und Kontemplation Orte der Kraft und der Stille – etwa eine Bruder-Klaus-Kapelle von Peter Zumthor, deren karge Architektur im Film so nahe kommt, dass man sich auf der Stelle nach Mechernich-Wachendorf in die Eifel begeben will, wo dieses moderne Bauwerk errichtet wurde. Oder das Schweizer Barockkloster Mariastein, das in dieser atemberaubenden Filmkomposition gleichfalls zu einem Zeugen der Verbindung zwischen den Sphären von Mensch und Transzendenz wird.