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„Maria träumt“: Liebe bringt Reinigungskraft in Gewissensnöte

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In der Liebeskomödie von Lauriane Escaffre und Yvo Muller wähnt sich Maria sich glücklich verheiratet, bis sie sich in Hausmeister Hubert verliebt.

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In der Liebeskomödie von Lauriane Escaffre und Yvo Muller wähnt sich Maria sich glücklich verheiratet, bis sie sich in Hausmeister Hubert verliebt.

Dass man im Alter jenseits der fünfzig noch einmal in Schwung kommen kann, diese Story ist vorzugsweise den Herren der Schöpfung vorbehalten. In Lauriane Escaffres und Yvo Mullers charmanter Romanze „Maria träumt“ wagt eine Frau den Aufbruch.

Nachdem Maria 25 Jahre den Haushalt einer distinguierten Dame geführt hat, muss sie sich nach deren Tod einen neuen Job suchen. Die über 50-Jährige findet ihn an der Hochschule der Schönen Künste in Paris. Der neue Arbeitsplatz fordert der bescheiden-biederen Seele einiges ab, nicht nur, weil sie als Reinigungskraft jetzt im Team arbeiten muss und ihr Perfektionsdrang befremdet, hier ist man auch versiert im Nutzen der uneigentlichen Rede. Trotzdem lockt das unbekannte Terrain. Denn die Kunsthochschule ist ein lebendiger Organismus, überall junge Leute voller Ideen und Schaffensdrang. Sie beziehen Maria in die kreativen Prozesse mit ein, was sie mit sich selbst konfrontiert und auch bei ihr den Wunsch nach Selbstausdruck weckt. Dass sich die glücklich Verheiratete dann in Hausmeister Hubert verliebt, bringt sie in Gewissensnöte.

Gleichwohl Escaffre und Muller eine hinsichtlich weiblicher Emanzipation konventionelle Fabel erzählen, ist ihnen eine geistreiche Variante geglückt, indem sie das romantische Liebesglück mit einer Reflexion über die Kunst verweben. Dabei machen sie sich für den Beuys’schen erweiterten Kunstbegriff stark. So bezieht ihr Spielfilmdebüt seinen Reiz besonders aus seinen visuellen Einfällen und aus der stimmigen Inszenierung seines Schauplatzes, an dem einigermaßen unabhängig vom Druck des Marktes experimentiert werden kann.

Die Kunsthochschule kann man durchaus als Gesellschaftsutopie lesen, die von Karin Viard, Grégory Gadebois und Noée Abita mit Überzeugung verkörpert wird. Durch sie wirft der Film übergreifende Fragen auf. Was ist Kunst? Wozu dient Kunst? Und welchen Platz soll sie einnehmen? Für Escaffre und Muller ist die Kunst ein zutiefst demokratisches Medium, welches das Leben zu verändern vermag. Alltagsgegenstände können als objets trouvés zu Kunstwerken werden. Spielerisches und Ironie klingen mit, und es wird mit Lust aus der Kunstgeschichte zitiert. So zerstört Maria in Anspielung auf die berühmte Fettecke aus Versehen ein Objekt, das dann der Hausmeister wiederherstellt, mit aus der Mensa entwendeter Butter. Er hat das Credo bereits verinnerlicht: An der Produktion von Kunst können schließlich alle teilhaben.

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