Martin Margiela - © Polyfilm

"Martin Margiela – Mythos der Mode": Einer, der die Modewelt aufmischte und aus ihr wieder fortging

1945 1960 1980 2000 2020

Der deutsche Dokumentarfilmer Reiner Holzemer hat sich Martin Margiela, einer – im guten Sinn – Diva der Haute Couture, angenommen und ein filmisches Meisterstück hingelegt.

1945 1960 1980 2000 2020

Der deutsche Dokumentarfilmer Reiner Holzemer hat sich Martin Margiela, einer – im guten Sinn – Diva der Haute Couture, angenommen und ein filmisches Meisterstück hingelegt.

Wie macht man ein Filmporträt über einen, der nie öffentlich auftritt, der keine mündlichen Interviews gibt und der sich weder fotografieren noch filmen lässt?

Der belgische Modedesigner Martin Margiela ist so einer. Und er, Jahrgang 1957, hat sich 2008/09 aus der Modebranche zurückgezogen, weil er mit dem durch Internet und beginnende Social Media bedingten Umbruch auch des Designgeschäftes seine Arbeitsweise nicht mehr wiederfand – er verließ das von ihm gegründete Modehaus Maison Martin Margiela wieder.

Der deutsche Dokumentarfilmer Reiner Holzemer hat sich in „Martin Margiela“ dieser – im guten Sinn – Diva der Haute Couture angenommen und bravourös ein filmisches Meisterstück hingelegt. Martin Margiela kommt im Bild tatsächlich nicht vor, der Filmemacher brachte seinen Protagonisten dazu, aus dem Off und weitgehend chronologisch seinen Werdegang zu erzählen und die Entwicklungen zu kommentieren. Vor der Kamera kommen Weggefährten wie sein ehemaliger Pressesprecher, der Couturier Jean Paul Gaultier, dessen Assistent Margiela einmal war, die Modekritikerin Cathy Horyn von der New York Times oder die belgische Trendforscherin Lidewij Edelkoort zu Wort.

Das einstige Enfant terrible der Branche wurde mit seinen Dekonstruktionen und dem zeichenhaften Verwenden „unschöner“ Materialien wie Plastik oder Altkleider, dem Kehren von Futter nach außen oder Pullovern aus Socken bekannt. Neben diesem „Uploaden“, mit dem Margiela in den verstaubten 1980ern die Modewelt umkrempelte, arbeitete er gleichzeitig für das konservative Modelabel Hermès – in Holzemers Film macht er klar, dass beides für ihn mit seinem künstlerischen Anspruch zu tun hat und vereinbar ist.

„Für mich ist es vor allem die Geschichte eines Mannes, der seinen eigenen Weg gegangen ist und durch diese Haltung ‚unsterblich‘ wurde. Ein Mann, der den Mut hatte, auf dem Höhepunkt seiner Karriere aufzuhören und der erschöpfenden Modewelt den Rücken zu kehren, um glücklich zu sein.“ So charakterisiert Holzemer das, was er zeigen will. Und dass die belgische Rockband dEUS die Musik beisteuert, hebt diesen exzeptionellen Film auch musikalisch noch weiter empor.

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