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„Mein Vater, der Fürst“: Die Schwarzenbergs. Oder: Tochter filmt Vater

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In „Mein Vater, der Fürst" spricht Lila Schwarzenberg mit ihrem Vater Karel Schwarzenberg.

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In „Mein Vater, der Fürst" spricht Lila Schwarzenberg mit ihrem Vater Karel Schwarzenberg.

Wenn Lila, die kleine Prinzessin, im Innenhof des Schwarzenberg‘schen Schlosses Murau in der Steiermark mit Buben aus der Unterstadt „Fußball balgt“, weiß sie die Augen ihres Vaters, des Fürsten, vom Fenster seines Büros aus auf sich gerichtet. Gleichzeitig ahnt sie, dass dieser lieber den Erbprinzen herumtollen sähe. Lila Schwarzenberg, Regisseurin des Dokumentarfilms „Mein Vater, der Fürst“, schildert eingangs, im Gespräch mit Co-Regisseur Lukas Sturm, wie sie ihr tiefes Sehnen nach Wertschätzung und Nähe vonseiten ihres Vaters zeitlebens als unerfüllt erlebte. Dankbar zeigt sich die junge Frau wiederum gegenüber dem Familienvater, Karl Schwarzenberg, wie er sich hierzulande nennt (die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt er immer noch nicht), wenn er sie etwa – bar jeder Vorwürfe – in die Entzugsklinik führt.

Die erwachsene Tochter ist schon lange clean – und heute selbst Mutter von fünf Kindern; für den Film haben sich Vater und Tochter über einen Zeitraum von fünf Jahren immer wieder zum Gespräch – an den Orten, die beide geprägt haben – getroffen. Sie gehen ehrlich und respektvoll, dennoch schonungslos miteinander um. So sagt er etwa, dass er in ihr viele Ähnlichkeiten zu sich selbst entdecke; dann ermahnt er sie aber auch wieder, ihre Kinder doch (stärker) im Glauben zu erziehen, denn dieser gebe ihm jetzt, im Alter, Ruhe und Zuversicht. Gerade kraft seines Glaubens habe er die Schicksalsschläge seines Lebens – Kuckuckskind, Scheidung usw. – überhaupt ertragen können. Aber auch der Aristokrat – er ist seit 1979 Familienoberhaupt des Hauses Schwarzenberg (aus der Sekundogenitur stammend, wurde er vom letzten Erben der Primogenitur adoptiert, um beide Linien zu vereinigen) – soallmählich erschließt. Der kurze Fame, der ihnen zuteil wird, als sie ihr kleines Video auf YouTube hochladen und der Clip viral geht, ist nicht der Jackpot, aber er setzt Entwicklungen in Gang, die zumindest Yesmin ein Stück näher zu sich selbst bringen. Im Gegensatz zu Yesmins kurdischer Mutter, die sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt sieht, reagiert Vater Omar wie vor allem der Zeitzeuge und später Staatsmann Schwarzenberg kommen nicht zu kurz. Wobei: Im Umbruchsjahr 1989, an der Seite von Václav Havel, habe er sich vielmehr sogar als „(samtener) Revolutionär“ verstanden. Manchmal stellt sich in den Vater-Tochter-Gesprächen auch unvermittelt Schweigen ein. Die Distanz (einmal wechselt er urplötzlich in die Sie-Form) wird dann auf kluge filmische Weise überwunden, indem sich die zwei eindringliche Gesprächs-Tiefenbohrungen nochmals genau ansehen. Gefühle der Zärtlichkeit zueinander drängen dann an die Oberfläche. Familie ist eben eine lebenslange Schicksalsgemeinschaft – hier bemühen sich beide aufrichtig, einen Weg zueinander zu finden.

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