memoria - © Stadtkino

„Memoria“: Ein „Ton“-Film erster Güte

1945 1960 1980 2000 2020

Der thailändische Regiestar Apichatpong Weerasethakul begibt sich nach Kolumbien, um einen Klang- und Bilderreigen Wirklichkeit werden zu lassen.

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Der thailändische Regiestar Apichatpong Weerasethakul begibt sich nach Kolumbien, um einen Klang- und Bilderreigen Wirklichkeit werden zu lassen.

Es gibt Filme, die man mit einem Aufkleber „bitte nur im Kino anschauen“ versehen sollte. „Memoria“, das neue Opus des thailändischen Regiestars Apichatpong Weerasethakul, bedarf solch eines Hinweises – und zwar weniger ob der visuellen Kraft, die sich da auf der großen Leinwand entwickelt, sondern wegen des Tonraums, der sich nur in einem wirklich großen Saal entfalten kann: Das Wiener Gartenbaukino ist in diesem Sinn ein idealer Ort, um „Memoria“ zu frönen. Ohne die ausgeklügelte Tonspur, für die sich die Soundmacher dieses Films eine Riesenarbeit angetan haben, wäre der Zuschauer auf dieser Bilderreise und den Zeit- wie Wirklichkeitsebenen, mit denen „Memoria“ virtuos spielt, verloren.

Nochmals: Es geht in „Memoria“ von der ersten Szene an um „Ton“. Jessica (Tilda Swinton), eine in Kolumbien lebende schottische Orchideenzüchterin, wird da von einem lauten Knall, den nur sie hört, aus dem Schlaf gerissen.

Das verstörende Phänomen gibt es wirklich: Es heißt „Exploding Head Syndrome“ (EHS) und wird von betroffenen Menschen in der Aufwachphase erlebt. Auch Regisseur Weerasethakul litt zeitweilig an der Schlafstörung.

In „Memoria“ wird der verstörende Knall des EHS zur Metapher eines Durchgangs durch Welten, Gegenwelten und Zwischenwelten, die für den Zuschauer nicht immer auseinanderzuhalten sind (und das wohl auch nicht sollen).

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