once upon a time in hollywood - Gemischtes Doppel<br />
Rick Dalton (Leonardo DiCaprio, re.) ist ein abgehalfterter Western-Schauspieler, Cliff Booth (Brad Pitt, li.), sein Stunt-Double und „Kindermädchen“. - © Sony
Film

Old Hollywood umgruppiert

1945 1960 1980 2000 2020

Quentin Tarantinos neunter Filmstreich, „Es war einmal in Hollywood“, trägt das Märchen nicht nur im Titel. Eine Reminiszenz an die gute alte Kino-Zeit, die vor allem in den Details zum Filmereignis wird.

1945 1960 1980 2000 2020

Quentin Tarantinos neunter Filmstreich, „Es war einmal in Hollywood“, trägt das Märchen nicht nur im Titel. Eine Reminiszenz an die gute alte Kino-Zeit, die vor allem in den Details zum Filmereignis wird.

Schon der Titel trägt die Patina des Wiedererstehens der Vergangenheit in sich: „Es war einmal in Holly­wood“ ist Quentin Tarantinos neunter Spielfilm (und, wenn er seinen Ankündigungen treu bleibt, sein vorletzter). In gewisser Weise kann er auch als untypisch fürs Œuvre des Kultregisseurs gelten, jedenfalls scheint er zunächst ganz ohne die übliche Blutorgien und Schädelzerplatzungen auszukommen, an denen sich die Tarantino-Gemeinde bislang weiden konnte.

Aber im Beharren auf den ihm eigenen Konservativismus, etwa die Obsession, weiter analog auf 35-Millimeter-Ware Film zu machen, ist sich Tarantino auch in „Es war einmal in Hollywood“ treu geblieben. Von „Pulp Fiction“ (1994) bis zu „The Hateful Eight“ (2015) handelt es sich ja schon auch um einen Abgesang auf die herkömmlichen Arten des Filmemachens mittels extremer Übersteigerung von dessen Versatzstücken.

Die Vorgängerfilme „Django Unchained“ (2012) und eben „The Hateful 8“ waren ihrerseits Tarantinos verquere Hommagen ans Western-Genre, das jetzige Opus schließt direkt daran an. Wobei der Filmemacher das Ganze als Reminiszenz an die 1968er-Zeit anlegte, was rein biografisch eine Fiktion ist, als Tarantino anno 1969, dem Jahr, in dem sein Film spielt, gerade sechs Lenze zählte. 1969 ist auch das Jahr, in dem die Manson-Family ihre Mordserie vollbrachte. Die hochschwangere Sharon Tate, Ehefrau des damals zum Regie-Star aufsteigenden Roman Polański, wurde dabei gemeinsam mit den anderen in ihrem Haus Anwesenden brutal ermordet.

Die Tate-Morde sind der dramaturgische Kulminationspunkt von „Es war einmal in Hollywood“. Der Film bezieht seine Spannung wesentlich auch durch die Frage, wie Tarantino mit dem bekannten Geschehen umgeht und ob er, wie etwa in „Inglourious Basterds“ (2009), wo Adolf Hitler ja einem Attentat zum Opfer fällt, sich auch diesmal eines alternativen Narrativs der Historie befleißigt.

Schon der Titel trägt die Patina des Wiedererstehens der Vergangenheit in sich: „Es war einmal in Holly­wood“ ist Quentin Tarantinos neunter Spielfilm (und, wenn er seinen Ankündigungen treu bleibt, sein vorletzter). In gewisser Weise kann er auch als untypisch fürs Œuvre des Kultregisseurs gelten, jedenfalls scheint er zunächst ganz ohne die übliche Blutorgien und Schädelzerplatzungen auszukommen, an denen sich die Tarantino-Gemeinde bislang weiden konnte.

Aber im Beharren auf den ihm eigenen Konservativismus, etwa die Obsession, weiter analog auf 35-Millimeter-Ware Film zu machen, ist sich Tarantino auch in „Es war einmal in Hollywood“ treu geblieben. Von „Pulp Fiction“ (1994) bis zu „The Hateful Eight“ (2015) handelt es sich ja schon auch um einen Abgesang auf die herkömmlichen Arten des Filmemachens mittels extremer Übersteigerung von dessen Versatzstücken.

Die Vorgängerfilme „Django Unchained“ (2012) und eben „The Hateful 8“ waren ihrerseits Tarantinos verquere Hommagen ans Western-Genre, das jetzige Opus schließt direkt daran an. Wobei der Filmemacher das Ganze als Reminiszenz an die 1968er-Zeit anlegte, was rein biografisch eine Fiktion ist, als Tarantino anno 1969, dem Jahr, in dem sein Film spielt, gerade sechs Lenze zählte. 1969 ist auch das Jahr, in dem die Manson-Family ihre Mordserie vollbrachte. Die hochschwangere Sharon Tate, Ehefrau des damals zum Regie-Star aufsteigenden Roman Polański, wurde dabei gemeinsam mit den anderen in ihrem Haus Anwesenden brutal ermordet.

Die Tate-Morde sind der dramaturgische Kulminationspunkt von „Es war einmal in Hollywood“. Der Film bezieht seine Spannung wesentlich auch durch die Frage, wie Tarantino mit dem bekannten Geschehen umgeht und ob er, wie etwa in „Inglourious Basterds“ (2009), wo Adolf Hitler ja einem Attentat zum Opfer fällt, sich auch diesmal eines alternativen Narrativs der Historie befleißigt.

Zunächst geht es um einen Abgesang auf den Western, der in Gestalt des abgehalfterten Genre-Stars Rick Dalton (Leonardo
DiCaprio) auf der Leinwand leibhaftig wird.

Aber zunächst geht es um einen Abgesang auf den Western, der in Gestalt des abgehalfterten Genre-Stars Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) auf der Leinwand leibhaftig wird. Dalton gibt es aber nur im Double, genauer gesagt: gemeinsam mit seinem Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), der auch eine Art Kindermädchen für den müden Star geworden ist. Dalton verhandelt mit dem Produzenten Marvin Schwarz (Al Pacino), um doch noch als Schauspieler – in einem Italo-Western! – Fuß zu fassen.

Altes Kino, junge Garde

Während das „alte“ Hollywood den Bach hinuntergeht, vergnügt sich gerade die junge, angesagte Schauspielergarde, nicht zuletzt Sharon Tate (Margot Robbie) und ihr Ehemann Polański (Rafał Zawierucha). Dalton bewohnt ein Anwesen am Cielo Drive in Hollywood und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Tate – man kann sich also vorstellen, dass er in der Tarantino-Version der Manson-Morde seine eigene Rolle spielen wird.

Was „Es war einmal in Hollywood“ ausmacht, sind nicht die großen Erzählungen, die Tarantino hier einmal mehr, und eben schaumgebremst blutrünstig vorlegt. Son­dern in beinahe jeder Episode reflektiert der Filmemacher, dass „Good old Hollywood“ endgültig vorbei ist. So zeigt er Sharon Tate beim Besuch einer Kinovorstellung eines Filmes, in dem sie selber mitspielt. Es gehört eine Portion Genialität dazu darzustellen, wie sich der hochschwangere Jungstar an der eigenen Performance ergötzt.

Eine Schlüsselszene ist geradezu rührend, wo die erst achtjährige Trudu (Julia Butters) eine Kinderrolle neben Rick Dalton spielt. Sie sitzt auf Daltons Schoß und erklärt dem „sinking Star“, wie Method Acting funktioniert.

Eine andere Story ist die Begegnung von Dalton-Double Cliff Booth mit dem jungen Bruce Lee (Mike Moh), dessen Martial-Arts-Kompetenz durch den Stuntman im Wortsinn zertrümmert wird.

Alles in allem ein untypisch typischer Tarantino-Film, der vor allem aus seinen Details heraus lebt und weniger in der großen Erzählung, um die er sich durchaus müht. Trotz dieser Ambivalenzen erweist sich „Es war einmal in Hollywood“ doch als Ereignis von einem Film.

once upon a time in hollywood plakat - © Sony
© Sony
Film

Es war einmal in Hollywood (Once Upon A Time in Hollywood)

USA 2019. Regie: Quentin Tarantino. MIt Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Al Pacino, Julia Butters, Dakota Fanning, Mike Moh, Bruce Dern, Rafał Zawierucha. Sony. 159 Min.