Onim - © Foto: Amazon Studios

One Night in Miami: Vier Herren im Motel

1945 1960 1980 2000 2020

In „One Night in Miami“, das nun auf Amazon Prime Video zu sehen ist, thematisiert Regina King das US-Thema Nummer eins nach Trump: die Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung.

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In „One Night in Miami“, das nun auf Amazon Prime Video zu sehen ist, thematisiert Regina King das US-Thema Nummer eins nach Trump: die Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung.

Anno 2020 und 2021 läuft vieles anders als gewohnt. Normalerweise hätte man „One Night in Miami“ bei einem prestigeträchtigen Filmfestival wie in Cannes oder Toronto aus der Taufe gehoben, man hätte zeitgerecht vor dem Jahreswechsel für eine Kinoauswertung gesorgt, damit man die Vorgaben für eine Oscar-Nominierung erfüllen könnte. Man hätte dann nur noch gewartet, wie stark sich ein brisantes Thema wie jenes in diesem Film auf die Academy niederschlägt, und hätte der Bekanntgabe der Nominierungen geharrt.

Zumindest der letzte Punkt wird sich in den Corona-Jahren nicht wesentlich unterscheiden von „früher“. Fix dürfte sein, dass „One Night in Miami“ schon allein wegen seines Themas durchaus großes Oscar-Potenzial hat: Vier Ikonen der "Black Power"-Bewegung treffen einander in den 1960er Jahren und reden eine Nacht lang über das, was aktueller nicht sein könnte: über Rassismus und die Kluft zwischen Weiß und Schwarz, die Wurzeln des Rassenhasses und seine mannigfachen Triebe, die gerade im ausklingenden Trump-Amerika so sichtbar sind.

Schwarze Regisseurin – gute Karten

Die schwarze Schauspielerin Regina King hat diesen Film gemacht. Sie gewann 2019 den Oscar als beste Nebendarstellerin in Barry Jenkins „If Beale Street Could Talk“ und geht jetzt – mit 50 – unter die Filmemacherinnen. Allein dieser Umstand ist bemerkenswert: Denn einerseits ist das schiere Frau-Sein nicht selten ein Hinderungsgrund, auf dem Regiesessel Platz nehmen zu dürfen, andererseits spielt auch die Hautfarbe da hinein. Aber vielleicht hat King mit ihrer Rolle in der Chefposition vieles vorweggenommen, was uns die Biden-Präsidentschaft schon bald bieten könnte, nicht wahr, Mrs. Harris?

King erzählt vom Abend des 25. Februar 1964, es ist die Nacht, in der der 22-jährige Cassius Clay (Eli Goree) die Box-WM im Schwergewicht gewann, nachdem er Sonny Liston im Miami Convention Center doch überraschend besiegt hatte. Doch anstatt eine rauschendes Siegesfeier zu veranstalten, zieht sich der frischgebackene Champion, der sich später Muhammad Ali nannte und dreimal Weltmeister wurde, mit Freunden im Hampton House Motel im schwarzen Miami-Bezirk Overtown zurück: mit dem Bürgerrechtler Malcolm X (Kingsley Ben-Adir), dem Musiker Sam Cooke (Leslie Odom Jr.) und dem Footballspieler Jim Brown (Aldis Hodge). Sie alle stehen in einer (damals wie heute) rassistisch geprägten Öffentlichkeit, werden für ihre Hautfarbe angefeindet, aber sie wollen die Wurzeln des Rassismus bekämpfen und sind tatkräftig entschlossen dazu. Sie wissen schließlich, wovon sie sprechen. Malcolm X mahnt, dass „auf Amerikas Straßen jeden Tag Schwarze sterben“, und er spricht es anno 1964 so aus, als spräche er über das Jahr 2021. Sam Cooke schreibt zwar große Hits, aber wenn er in den Clubs auf die Bühne kommt, verlassen viele weiße Gäste den Saal. Selbst die successful negroes in der Musikbranche machen keine Karrieren wie weiße Bands wie die Rolling Stones. Jim Brown wiederum ist als Footballer ein Idol für viele, doch die Gastfreundschaft reicht nicht weit genug. Selbst seine weißen Gönner weisen ihn darauf hin, dass „Nigger bei uns im Haus nicht erlaubt sind“.

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