booksellers - © Stadtkino

Orgasmus als Buchgefühl – „The Booksellers“

1945 1960 1980 2000 2020

D. W. Youngs Dokumentarfilm „The Booksellers“ entführt in die bibliophile Welt von New York.

1945 1960 1980 2000 2020

D. W. Youngs Dokumentarfilm „The Booksellers“ entführt in die bibliophile Welt von New York.

Er habe, erzählt einer der Gesprächspartner in „The Booksellers“, auf einer Buchauktion für ein Exemplar der vierten oder fünften Ausgabe von Cervantes’ „Don Quixote“ 120.000 Dollar erlöst – und darob geweint. Noch mehr war ihm zum Weinen, als kurz später eine Erstausgabe von Ian Flemings „Casino Royale“, des ersten James-Bond-Romans, 130.000 Dollar einbrachte.

Man suche 20 Jahre nach einem Buch, so ein anderer Protagonist des Dokumentarfilms, finde es dann und habe „seinen Orgasmus, stelle es danach ins Regal: Und das war’s dann!“

Und ein dritter Interviewter erinnert an die Oscarverleihung 2006, als der Drehbuchpreis an den Film „Brokeback Mountain“ ging und Preisträger Larry McMurty darauf hinwies, dass der Stoff zuvor als Buch erscheinen war; McMurty schaffte es sogar, in der kurzen Dankesrede ein Loblied auf das Buch an sich zu singen. Drei Blitzlichter aus dem an Blitzlichtern reichen Film „The Booksellers – Aus Liebe zum Buch“, in dem der Regisseur der aussterbenden Spezies der Buchhändler ein dokumentarisches Denkmal setzt. Man muss präzisieren, denn es geht um Buchhändler, die mit bibliophilen Raritäten handeln, und Young baut einen richtigen Kosmos von schrulligen bis einzigartigen menschlichen Wesen, die sich dem Sammeln und Weitergeben respektive Verkaufen wertvoller Bücher verschrieben haben. Insgesamt 30 solcher Sammler(innen), Käufer(innen) und Verkäufer(innen) bittet der Regisseur vor Kamera und Mikrofon.

Und wie die angeführten wenigen Beispiele zeigen, offenbart sich hier eine Mischung aus Kauzigkeit und weiser Lebenssicht, welche die in das Buch Vernarrten eint. In einer Zeit, in der Buchhandlungen bestenfalls noch durch Verlagsketten betrieben werden und in der das bibliophil Kostbare durch E-Books, und wie die neumodischen Zeuge sonst noch heißen mögen, verdrängt wird, ein anachronistisches Ansinnen.

Aber ein höchst amüsantes wie aufschlussreiches Unterfangen – und eine Erinnerung an Werte, die in prunkvolles Leder gebundene Bücher auch darstellen. Ein Film für Liebhaber(innen). Aber erst recht ein Film zum Liebhaben.

FURCHE-Navigator Vorschau