Der Charme des Geldes - © Polyfilm
Film

Robin Hood anno 2018

1945 1960 1980 2000 2020

In „Der unverhoffte Charme des Geldes“ erzählt der kanadische Regisseur Denys Arcand von einem Kurierfahrer, der unverhofft ans große Geld kommt. Wenn auch nicht wirklich legal.

1945 1960 1980 2000 2020

In „Der unverhoffte Charme des Geldes“ erzählt der kanadische Regisseur Denys Arcand von einem Kurierfahrer, der unverhofft ans große Geld kommt. Wenn auch nicht wirklich legal.

Den Traum vom schnellen Geld träumen viele. Und kommt der Zufall zu Hilfe, wirft man so manches Prinzip über den Haufen. Bisher verhält sich Pierre-Paul Daoust (überzeugend: Alexandre Landry) unauffällig, wenngleich der etwas verklemmt wirkende junge Mann keineswegs einen herkömmlichen Lebensweg beschreitet. Der studierte Philosoph liefert als Kurierfahrer lieber Päckchen aus oder verteilt Mittagessen an Obdachlose. Eines Tages wird er Zeuge eines Raubüberfalls: Ein Täter flieht verletzt vom Tatort, lässt dabei die Beute fallen. Kurz entschlossen greift Pier­re-Paul die zwei prall gefüllten Geldsäcke. Seine Vision: Wie weiland Robin Hood Bedürftigen damit Gutes zu tun. Doch bald heftet sich nicht nur die Polizei an seine Fersen, sondern das Geld wird auch von einer Bande übler Gesellen reklamiert. So sucht Pierre-Paul mit schrägen Fachleuten, das Geld über Konten im Ausland zu waschen.

Denys Arcand hat in „Der unverhoffte Charme des Geldes“ einen ungewöhnlichen Plot über den aktuellen Zustand des Kapitalismus’ ersonnen und ihn mit Motiven des Kriminalfilms angereichert. Dazu gesellt er ein nicht alltägliches Figurenpersonal, erzählt von ihm parallel, indem er von Charakter zu Charakter springt. So persifliert der kanadische Regisseur nicht nur das Genre, sondern auch den Kapitalismus nach „angelsächsischem Muster“, in dem selbst ein Gauner die Universität besucht und Kurse in Finanzmanagement belegt.

Den Traum vom schnellen Geld träumen viele. Und kommt der Zufall zu Hilfe, wirft man so manches Prinzip über den Haufen. Bisher verhält sich Pierre-Paul Daoust (überzeugend: Alexandre Landry) unauffällig, wenngleich der etwas verklemmt wirkende junge Mann keineswegs einen herkömmlichen Lebensweg beschreitet. Der studierte Philosoph liefert als Kurierfahrer lieber Päckchen aus oder verteilt Mittagessen an Obdachlose. Eines Tages wird er Zeuge eines Raubüberfalls: Ein Täter flieht verletzt vom Tatort, lässt dabei die Beute fallen. Kurz entschlossen greift Pier­re-Paul die zwei prall gefüllten Geldsäcke. Seine Vision: Wie weiland Robin Hood Bedürftigen damit Gutes zu tun. Doch bald heftet sich nicht nur die Polizei an seine Fersen, sondern das Geld wird auch von einer Bande übler Gesellen reklamiert. So sucht Pierre-Paul mit schrägen Fachleuten, das Geld über Konten im Ausland zu waschen.

Denys Arcand hat in „Der unverhoffte Charme des Geldes“ einen ungewöhnlichen Plot über den aktuellen Zustand des Kapitalismus’ ersonnen und ihn mit Motiven des Kriminalfilms angereichert. Dazu gesellt er ein nicht alltägliches Figurenpersonal, erzählt von ihm parallel, indem er von Charakter zu Charakter springt. So persifliert der kanadische Regisseur nicht nur das Genre, sondern auch den Kapitalismus nach „angelsächsischem Muster“, in dem selbst ein Gauner die Universität besucht und Kurse in Finanzmanagement belegt.

Denys Arcand hat einen ungewöhnlichen Plot über den Zustand des Kapitalismus’ ersonnen und ihn mit Motiven des Kriminalfilms angereichert.

Das System berauscht sich am Schein, setzt sich hinweg über jede Moral. Indem es den Finanzsektor dereguliert, die öffentliche Hand privatisiert, die Ausgaben kürzt, die Steuern verringert, verteilt es den Wohlstand zugunsten der Besitzenden, wohingegen die Zahl der Obdachlosen steigt. Allerdings kann selbst der Protagonist dem Reichtum nicht widerstehen – und bestellt sich Montreals teuerstes Callgirl ins Haus.

Wie kann man einem solchen asozialen System beikommen? Der französische Originaltitel spricht deutlicher die Systemfrage an, Arcand knüpft damit an seinen preisgekrönten Film „Le déclin de l’empire américain“ von 1986 an, träumt anarchisch von einem Leben, wo Menschen ohne große Anstrengung und Leistung im Überfluss leben. Aber dazu müssen sie die Sprache des Systems beherrschen, wie der Held intelligent und rational vorgehen, und nicht ihr Herz sprechen lassen, wie es anfangs seine Ex-Freundin verlangte.

Das Planen des Coups, der Spott über die Verhältnisse, ist äußerst vergnüglich anzuschauen. Und auch dem Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers wird am Ende Genüge getan. Doch kann der Regisseur seine produktive Mischung nicht zu einem schlagkräftigen, geschmeidigen Werk amalgamieren. Es fehlt an Spannung, die Bedrohung wird nicht spürbar genug. Sie müsste es aber, um beim Kampf für eine sozialere Ordnung mitzufiebern.

Film

Der unverhoffte Charme des Geldes

(La chute de l’empire américain)
CDN 2018. Regie: Denys Arcand.
Mit Alexandre Landry, Maripier Morin.
Polyfilm. 127 Min.