Tina Turner - © Foto: Polyfilm

„Tina“: Die Queen of Rock ’n’ Roll

1945 1960 1980 2000 2020

„Tina“: Sie war die erste afroamerikanische Sängerin, die mit „weißer“ Rockmusik Megaerfolge feierte. Nun hat ihr – Tina Turner – der Dokumentarfilmer Dan Lindsay ein Denkmal gesetzt.

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„Tina“: Sie war die erste afroamerikanische Sängerin, die mit „weißer“ Rockmusik Megaerfolge feierte. Nun hat ihr – Tina Turner – der Dokumentarfilmer Dan Lindsay ein Denkmal gesetzt.

„Mein Leben war so gar nicht ich. Es war kein gutes Leben“: Dieses bittere Fazit zieht die große Rock- und Rhythm-and-Blues-Sängerin Tina Turner gleich zu Beginn ihrer filmischen Biografie. Doch im Verlauf des zweistündigen Biopics, das nun in die Kinos kommt, zeigt sich, dass diese Bilanz nur bis zu einem bestimmten Punkt Gültigkeit hat. Von den leiblichen Eltern im Stich gelassen, eineinhalb Jahrzehnte lang von ihrem Ehemann brutalst misshandelt, anschließend Galeerenjahre im Showbusiness, um finanziell über die Runden zu kommen – der erste Teil ihres Lebens muss tatsächlich eine Tortur gewesen sein.

Doch als sich Tina Turner in den 1980er Jahren als „Queen of Rock ’n’ Roll“ neu erfand, wendete sich das Blatt: Sie kam zum verdienten Ruhm, führte ein selbstbestimmtes Leben und fand schließlich Liebe. Klingt kitschig, ist aber die Wahrheit.

Geschichte einer Befreiung

„Tina“ (Regie: Dan Lindsay) ist die Geschichte einer Befreiung. Als die 17-jährige Anna Mae Bullock 1957 von dem Rhythmand-Blues-Musiker Ike Turner entdeckt Drama, in dem Regisseur Mortensen auch die (Haupt-)Rolle des Sohns übernimmt: Willis (Lance Henriksen) war zeitlebens ein Ekel und akzeptiert auch als alter Mann den Lebensstil seines Sohnes John, der mit dem asiatischstämmigen Krankenpfleger Eric verheiratet ist, nicht. Schwulen- und Fremdenhass paaren sich mit der Ablehnung des Sohnes – und vice versa. Berührt und fasziniert darf Zuschauer(in) mitbangen, ob die beiden in trautem Hass verbundenen Männer doch so etwas wie ein Verhältnis zueinander schaffen. Eine Beziehung mit vielen Facetten, in der die Empathie hinter vielerlei Panzern versteckt scheint.

Was für ein Einstand ins Regiefach! Und da er neben der Hauptrolle auch noch die Musik in „Falling“ verantwortet, darf man sich mit Fug und Recht an einem Mortensen’schen Gesamtkunstwerk erfreuen. (Otto Friedrich) Falling USA 2020. Regie: Viggo Mortensen. Mit Viggo Mortensen, Lance Henriksen. Filmladen. 112 Min. wurde, verfügte sie zwar bereits über die ihr eigene stimmliche Power und explosive Ausdruckskraft, doch innerlich war sie ein naives Mädchen vom Land. Ike machte sie zu seiner Bühnenpartnerin, zu seiner Ehegattin, und er gab ihr ihren Namen: Tina Turner. Das Duo landete einige Hits, darunter „River Deep – Mountain High“, „Proud Mary“ und „Nutbush City Limits“. Doch hinter der Fassade des Erfolgs verbarg sich ein Abgrund: Ike Turner misshandelte und missbrauchte seine Frau in einem kaum vorstellbaren Ausmaß; er prügelte sie, verletzte sie, vergewaltigte sie, ließ ihr nicht das geringste Stück Freiraum. Sie ließ sich alles gefallen, schließlich hatte sie ihm die Treue versprochen.

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