jesuiskarl - © Filmladen

Wölfe im Schafspelz – „Je suis Charlie“

1945 1960 1980 2000 2020

Plastisch arbeitet der Regisseur Christian Schwochow heraus, wie sich die junge Rechte im Zentrum der Gesellschaft ausbreitet.

1945 1960 1980 2000 2020

Plastisch arbeitet der Regisseur Christian Schwochow heraus, wie sich die junge Rechte im Zentrum der Gesellschaft ausbreitet.

Wie arbeiten heutige junge Rechtsradikale, wie treten sie auf, wie manipulieren sie? – Mit einer jungen Frau (stark: Luna Wedler), die sich nach einem Terroranschlag, bei dem sie einen großen Teil ihrer Familie verloren hat, einer scheinbar harmlosen Jugendbewegung anschließt, führt Christian Schwochow in diese Szene ein.

Dramaturgisch ist „Je suis Karl“, dessen Titel sich auf den Slogan „Je suis Charlie“ bezieht, mit dem 2015 Solidarität mit den Opfern eines islamistischen Anschlags auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo bekundet wurde, zwar einfach gestrickt, dennoch bietet Schwochow ebenso aufschlussreiche wie erschreckende Einsichten. Plastisch arbeitet er nämlich in jugendlich-dynamischer Erzählweise heraus, wie sich die heutige junge Rechte mit attraktiven Veranstaltungen, smartem Auftreten und Eloquenz längst nicht mehr am Rand der Gesellschaft bewegt, sondern sich in deren Zentrum ausbreitet und es perfekt versteht, speziell unsichere junge Erwachsene zu begeistern und zu manipulieren.

Der Autor ist freier Filmjournalist.

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