WW84 - © Foto: Warner

Wonder Woman kämpft im TV

1945 1960 1980 2000 2020

Mit „Wonder Woman 1984“ startete ein Kinoblockbuster erstmals auf dem Pay-TV-Kanal Sky statt auf der Leinwand. Ist der Untergang der Kinos damit besiegelt?

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Mit „Wonder Woman 1984“ startete ein Kinoblockbuster erstmals auf dem Pay-TV-Kanal Sky statt auf der Leinwand. Ist der Untergang der Kinos damit besiegelt?

Wonder Woman wirbelt wieder durch die Lüfte – allerdings anders als ursprünglich vorgesehen: Denn eigentlich hätte „Wonder Woman 1984“, das Sequel zum überaus erfolgreichen ersten Teil von 2017, der vorprogrammierte Blockbuster des Jahres 2020 werden sollen – so hatte sich das Studio Warner Bros. das jedenfalls ausgedacht, musste aber nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie schnell erkennen: Das mit dem Kinostart wird vorerst nichts.

Also setzte man die eigenen Filmtitel zunächst einmal auf die Warteliste; aber auch nach einer schrittweisen Wiedereröffnung der Kinos traute man sich bei Warner nicht über einen Kinostart von „Wonder Woman 1984“.

Dies hat vor allem einen Grund: Nur wenn ein Blockbuster dieser Größenordnung nahezu zeitgleich in allen großen Märkten der Welt startet, ist das Einspielergebnis auch nach dem Geschmack des Studios. Startet man mit langen Zeitspannen zwischen den einzelnen Märkten, verliert sich ein großer Teil des Profits durch Internetpiraterie. Wenn aber der Heimmarkt in den USA kaum bis gar nicht aufsperren kann, dann gibt es den Film eben auch im Rest der Welt nicht zu sehen.

Doch Warner hat sich mit zunehmender Dauer der Pandemie ein neues Konzept überlegt. Anstatt die abgedrehte Filmware weiter auf Halde zu legen und zuzuwarten, ging man dazu über, in den USA ausgewählte Titel kostenpflichtig im hauseigenen Streamingkanal HBO Max zu starten. Eine Notfallmaßnahme, wie Warner bekannt gab, bricht diese Aktion doch mit der alteingesessenen Verwertungskette von Kinofilmen, bei der das Kino eben ganz am Anfang steht und bisher über jeden Zweifel erhaben war.

Künftig will Warner seine Titel also zeitgleich im Kino (wo möglich) und via HBO Max starten. Auf dem Streamingkanal bleiben die Filme nur eine limitierte Zeit abrufbar: Nach 30 Tagen ist Schluss, danach sollen die herkömmlichen Wege wie Pay-TV oder Blu-ray nachgereicht werden. HBO Max ist also quasi dem Kino gleichgestellt, nur dass die Leinwand nicht so groß ist.

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