Tompa - © Foto: Péter Maté / Suhrkamp Verlag

Andrea Tompa: „Keines unserer Worte ist von uns selbst“

1945 1960 1980 2000 2020

Ein großangelegtes Sprachkunstwerk, gemalt in kräftigen Farben – Andrea Tompas Roman „Omertà“ wartet mit einer starken, in der rumänischen Nachkriegszeit angesiedelten Geschichte auf. Terézia Mora hat nun für eine maßgeschneiderte Übersetzung des Textes gesorgt.

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Ein großangelegtes Sprachkunstwerk, gemalt in kräftigen Farben – Andrea Tompas Roman „Omertà“ wartet mit einer starken, in der rumänischen Nachkriegszeit angesiedelten Geschichte auf. Terézia Mora hat nun für eine maßgeschneiderte Übersetzung des Textes gesorgt.

Stellt man sich die europäische Literatur als ein prächtig blühendes Beet vor, so finden sich für den deutschsprachigen Betrachter immer wieder Stellen, denen es an Dichte und Farbe mangelt. So etwa bei der ungarischen Literatur aus dem rumänischen Siebenbürgen. Der Roman „Omertà. Buch des Schweigens“ der 1971 in Cluj geborenen und heute in Budapest lebenden Autorin Andrea Tompa hat (mit gewissen Einschränkungen) das Zeug dazu, dem abzuhelfen: mit einer starken Geschichte aus dem Umland ihrer Heimatstadt (ungarisch: Kolozsvár, deutsch: Klausenburg), gemalt in kräftigen Farben, ein großangelegtes Sprachkunstwerk, eingebettet in den Kontext der mitteleuropäischen Nachkriegszeit.

Erzählt wird die Geschichte eines Gärtners, Vilmos Décsi mit Namen, der sich mit größter Hingabe seiner Profession widmet und dabei die schönsten Erfolge erzielt. Seine Rosen werden allseits bewundert, von Züchtern aus dem In- und Ausland, von den königlich rumänischen Gärtnern, von Admiral Horthy persönlich, schließlich, die Zeiten ändern sich, interessiert sich auch der rosenferne rumänische Geheimdienst Securitate für Vilmos’ Züchtungen. Ohne sein Zutun nimmt das Projekt, aus ihm einen sozialistischen Vorzeigebotaniker zu machen, Gestalt an.

Politische Umbrüche

An der Biografie dieses sympathischen Eigenbrötlers wird die Geschichte der rumänischen Nachkriegszeit entfaltet, das ungarisch-rumänische Verhältnis, die politischen Umbrüche nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit der leidenschaftlich betriebenen Rosenzucht lässt sich auch die Idee eines erneuerten, verbesserten Menschengeschlechtes verbinden, dem nun, im sozialistischen Rumänien, eine lichte Zukunft versprochen wird. (Nur als Apropos: Mit der kritischen Analyse des Homo sovieticus, also der Erschaffung eines neuen, sowjetischen Menschen, wäre auch für die Ursachenforschung der derzeitigen Kriegskatastrophe noch eine ganze Menge zu gewinnen.) Hier also, und damit zurück zum Text, geht es um die Geschichte eines erfolgreichen Praktikers proletarischer Herkunft, der in die Hände einer sowjetischen Pseudowissenschaft (Stichwort: Mitschurin-Methode) fällt. Vilmos wird entdeckt, der Welt präsentiert, vom System benützt und schließlich vergessen.

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